Reformation |
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![]() "DES HEREN WORT BLIFT IN EWICHHEIT" und damit das biblische Motto der Reformartoren steht auf dem Krankenabendmahlskelch, der 1541 einer Gemeinde auf Eiderstedt gestiftet wurde |
Mit seinen 95 Thesen gegen den
Ablaßhandel vom 31.10.1517 löste Martin Luther die Reformation aus. Sie
erfaßte schnell weite Teile Deutschlands. Am 9.3.1542 wurde sie auch in
den
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Der Beginn in Husum |
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![]() Harmen Tast (so die niederdeutsche Form) auf einem Gemälde von Richard von Hagn, das bis heute in der Hermann-Tast-Schule in Husum hängt |
Im Norden setzte sich die Reformation von
Evangelische Predigt in HolsteinIn Holstein traten erste, von Luther
beeinflußte Prediger wohl 1523 in den Elbmarschen, Wilster und Krempe,
auf. Das mag mit der Nähe Stades zu tun haben, dessen
Prämonstratenserkloster sich früh der Reformation geöffnet hatte. Ferner
wird von Wanderpredigern berichtet, die - über Hamburg hinaus – seit 1522
in Stormarn und
Für Schleswig, Sitz des Bischofs, wurden auf Ersuchen eines Teils der Bürgerschaft 1525 der Wittenberger Theologe Marquart Schuldorp und nach dessen Tod 1529 der Westfale Reinholt Westerholt (1493-1554) als evangelische Prediger berufen. 1540 zum Propst auf Gottorf ernannt, hatte Westerholt dieses Amt jedoch nur zwei Jahre inne, bis zur Einsetzung des ersten evangelisch-lutherischen Bischofs im Herzogtum Schleswig, Tilemann von Hussen. Von einem “Sieg der
Reformation” kann allerdings vor 1533 nicht gesprochen werden. Nach dem
politischen Scheitern und der Vertreibung seines Neffen Christian II.
herrschte Friedrich I. (geb. 1471) als dänischer König und Herzog über
beide Landesteile. Er war zwar gewillt, auf Beschwerden der Stände gegen
den Mißbrauch geistlicher Macht einzugehen, doch reagierte er so, daß es
nicht zum Konflikt mit der römischen Kirche kam. Im Gegensatz zum Zögern
des Königs war es dem
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Gegner von außen |
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![]() Das Martyrium von Heinrich von Zütphen 1524 auf dem Marktplatz von Heide in einer zeitgenössischen Darstellung |
Die Reformation verlief nicht als
gradliniger Prozeß. Das zeigte sich am eindrücklichsten in
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Gegner von innen |
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![]() Melchior Hofman im Gefängnis |
Einer Gefahr anderer Art sah sich die
lutherische Reformation von innen her ausgesetzt. Es handelte sich um das
Auftreten von Predigern, oft Laien, die einen wesentlichen Punkt der
Wittenberger Theologen nicht mitvollzogen: Sie folgten nicht der später
als "Zweireichelehre" systematisierten Annahme Luthers, daß der Christ in
seinem geistlichen Tun Gott, in seinem weltlichen Handeln jedoch der
Obrigkeit verantwortlich ist. Diese Lehre stand im Gegensatz zu jenen
Anhängern der Reformation, die von evangelischer Predigt einen Bruch mit
bisherigen politischen Verhältnissen erwarteten: Die Wirklichkeit der Welt
sollte unmittelbar zur Wirklichkeit des Reiches Gottes werden. Ihre
Vertreter hingen sozialrevolutionären oder mystischen Gedanken an. Unter
den zahlreichen Vertretern gab es auch solche, die den Ausbruch eines
"tausendjähriges Friedensreich" auf Erden als Vorstufe zum "Gottesreich" (Chiliasten)
erwarteten. Die Wittenberger Reformatoren bezeichneten sie als
"Schwärmer". Sie alle wurden von den Wittenberger Reformatoren pauschal
als "Schwärmer" bezeichnet. Nicht alle waren von Anfang an als solche zu
erkennen. So ging etwa der Kürschner und Laienprediger Melchior Hofman
(geboren um 1500) aus Schwäbisch Hall zunächst mit Billigung Luthers in
den Norden. Sein Auftreten in Lübeck und 1527 in
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Die Herrschaft und die Reformation |
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Offenbar hat der altgläubige Klerus in den ländlichen und städtischen Gemeinden und Klöstern wenig Widerstand gegen die Reformation geleistet. Die lutherische Kirche war keine neue, sondern eine erneuerte Kirche. So blieb die Gestalt des Gottesdienstes über die Reformationszeit hinaus weitgehend unangetastet, wurden die Sakramente Taufe und Abendmahl gespendet und die Absolution erteilt. Friedrich, Herzog des Gottorfer und Segeberger Anteils, seit 1523 als Friedrich I. König von Dänemark, schlug einen Mittelweg ein, indem er zwar zuließ, daß die lutherische Lehre verbreitet wurde, doch den Bruch mit der katholischen Kirche vermied. Sein Sohn Christian (1503-1559), trieb dagegen von Anfang an die Reformation mit hoher Energie voran. Er hatte Luther 1521 auf dem Reichstag zu Worms erlebt und sich von dessen Person und Sache überzeugen lassen. Als Christian 1524 die Herrschaft im Haderslebener Anteil des Herzogtums Schleswig übernahm, war das Gebiet noch katholisch. Um so energischer waren seine Maßnahmen, um die Verhältnisse zu ändern. Die Folge war zunächst erhebliche Unordnung. Das änderte sich erst, als Christian 1526 die beiden evangelischen Theologen Johannes Wendt (um 1495-1541) und Eberhard Widensee (um 1486-1547) berief. Widensee wurde es übertragen, die Kirche als Superintendent zu leiten. Entscheidend wurde 1528 die Einberufung sämtlicher Pfarrherren nach Hadersleben. Sie wurden examiniert und auf eine neue, lutherische Kirchenordnung, die "Haderslebener Artikel", verpflichtet. Damit war die erste Kirchenordnung im Bereich der Herzogtümer erlassen und die erste "Landeskirche" im Königreich Dänemark errichtet. König Friedrich I. starb im April 1533. Im Juni 1533 huldigten die Stände beider Herzogtümer Christian als ihrem Herzog. Bis zu seiner Wahl als dänischer König sollten allerdings noch drei Jahre vergehen. Grund war der Widerstand des dänischen Adels, der seine Macht ausbauen, und der der höchsten geistlichen Würdenträger, der Prälaten, die die Reformation zurückzudrängen wollten. Die Situation änderte sich 1534, als Lübeck Krieg gegen Dänemark begann. 1536 siegte Christian in der sogenannten
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Die Reformation setzt sich durch |
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![]() Illustration zum Johannes Evangelium aus der niederdeutschen Magdeburger Bibel von 1545
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Zwar befand sich nun in den Herzogtümern das alte Kirchenregiment in Auflösung, aber während in den Städten die Reformation endgültig Fuß gefaßt hatte, waren viele Landgemeinden noch kaum berührt. Insbesondere die kirchlichen Grundbesitzer hatten kein Interesse, etwas zu ändern. Diözesanbischof im Bistum Schleswig, also höchster Prälat im Lande, ehemaliger Kanzler und Berater des Königs und Herzogs auf Gottorf, war Bischof Gottschalk von Ahlefeldt (geboren 1475). Er leistete bis zu seinem Tod im Januar 1541 Widerstand gegen die Reformation. Doch tat er es so, daß es nicht zu gewalttätigen Konflikten kam und dem Land eine Spaltung erspart blieb. Mit dem Ableben Bischof Gottschalks hatte die "altgläubige" Partei ihren führenden Kopf verloren. Christian III. stand damit der Weg offen, die Reformation in den Herzogtümern zu vollenden. Schon davor hatte er die dänische Kirchenordnung von 1539, die "Ordinatio", in den Herzogtümern anwenden lassen und die noch bestehenden katholischen Klöster aufgehoben. Allerdings gelang es ihm nicht, die dänische Kirchenordnung auch gegenüber den Ständen in den Herzogtümern durchzusetzen. Wiederum mußte er Bugenhagen zu Hilfe rufen. Der legte Anfang März 1542 den Text einer Kirchenordnung vor, die den Erfordernissen des Landes Rechnung trug. Die schleswig-holsteinische Kirchenordnung fußt auf der dänischen "Ordinatio". Doch sie wurde nicht nur übersetzt, sondern auch überarbeitet und ergänzt. Deutlich unterstreicht die Kirchenordnung den Anspruch, nicht als "Neuerung", sondern als Besinnung auf die Anordnungen Gottes für seine Kirche auf Erden verstanden zu werden. Im Mittelpunkt des Gottesdienstes stellt sie die Predigt, in der - wie im Unterricht - Luthers kleiner Katechismus eingeschärft werden sollte. Insgesamt reichen die Bestimmungen sehr weit und greifen teilweise tief - beispielsweise ins Bildungswesen - ein. Die Kirchenordnung spiegelt jedoch einen Geist der Mäßigung, der mit den begrenzten Möglichkeiten der Menschen rechnet und auch die schwachen und verletzten Gewissen nicht ausschließt. Am 9. März 1542 wurde die "Christlyke Kercken Ordeninge, de yn den Fürstendömen, Schleszwig Holsten etc. schal geholden werden" auf dem Landtag zu Rendsburg "einträchtiglich" angenommen. Damit war die evangelisch-lutherische Landeskirche für die Herzogtümer errichtet, die ihre Gestalt - in veränderter Form - bis 1918 bewahrte. Die Kirchenordnung selbst blieb bis 1867 in Geltung. Nur in den noch "altgäubigen" Territorien Holstein-Pinneberg und Sachsen-Lauenburg setzte sich die Reformation nach 1542 durch. Pinneberg übernahm erst 1561 die mecklenburgische Kirchenordnung, Lauenburg 1585 die schleswig-holsteinische.
Wolf Werner Rausch (TdM 1002/0903) Hinweis: Parallel mit der Reformation begann in den Herzogtümern auch die
Literatur: Ernst Feddersen, Kirchengeschichte Schleswig-Holsteins, Bd. 2, 1517-1521. Kiel 1938 (Schriften des Vereins für Schleswig-Holsteinische Kirchengeschichte. Nr. 19 der größeren Druckwerke.); Reformation. Unter Mitarbeit von Walter Göbell, Erich Hoffmann, Wolf-Dieter Hauschild u.a. Neumünster 1982 (Schleswig-Holsteinische Kirchengeschichte, hrsg. vom Verein für Schleswig-Holsteinische Kirchengeschichte. Bd. 3.); Johannes Schilling “Schleswig-Holstein”. In: Theologische Realenzyklopädie. In Gemeinschaft mit H. Balz u.a. hrsg. v. G. Müller. Bd. 30. Berlin 1999, S. 201-214. (Artikel in:) Schleswig-Holsteinisches Biographisches Lexikon, Bd. 1-. Neumünster 1970-.Seegrün, Wolfgang: Schleswig-Holstein. In: Die Territorien des Reichs im Zeitalter der Reformation und Konfessionalisierung. Land und Konfession 1500-1650. Bd. 2, Der Nordosten. Münster 1990, S. 140-164; Albert Panten, Wer war Husums Reformator?, S. 130 - 136, in: Festschrift "Harmen Tast: 1490 bis 1990", Husum, 1991, Beiträge zur Husumer Stadtgeschichte, Herausgegeben von der Gesellschaft für Husumer Stadtgeschichte. Bildquellen: Vignette: Illustration aus der niederdeutschen Magdeburger Bibel von 1545 zum Johannes Evangelium; Kelch: Landesamt für Denkmalpflege; Tast: Gemälde aus der Hermann-Tast-Schule, Husum, Repro: Günter Klatt; Züpthen: Archiv Otto Vollert; Hofman: Acta Archaeologica I., Baun-Hogenberg, "civitates orbis terrarum"; Christian III: Det Nationalhistoriske Musset på Frederiksborg; Magdeburger Bibel 1545; Bugenhagen: Marburger Bildindex |