
Das zeitgenössische Bild zeigt Schloß Plön um 1844. Während der ehemals rot geschlämmte Bachsteinbau schon weiß ist, liegen auf dem Dach noch die roten Pfannen

Das Schloß heute

Das 1751 vollendete Gartenschlößchen wurde seit 1896 als "Prinzenhaus" Erziehungsstätte der Söhne des preußischen Königshauses. Das Bild zeigt den Zustand des Hauses ohne Anbauten |
Schon im 10. Jahrhundert entstand auf der Insel Olsborg im Großen Plöner See eine befestigte slawische Burganlage. 1158 zerstört und von Herzog Adolf II. wieder aufgebaut, wurde die Burg auf dem "Bischofsberge" zum Zentrum der Kolonisation der Slawengaue. Seit 1290 wurde sie für 100 Jahre zum Sitz der Schauenburger. Danach verlor die Burg ihre Bedeutung. 1564 übertrug Friedrich II. seinem Bruder Johann (Hans) dem Jüngeren ein Drittel seines Anteiles an Schleswig und Holstein und damit auch die Plöner Burg. Aus diesen Anteilen entstand nach dessen Tode 1622 das wiederum geteilte Herzogtum Schleswig-Holstein-Sonderburg-Plön unter Johanns jüngsten Sohn Joachim Ernst (1595-1671). Er ließ nach einer Heirat 1633 die Burg abreißen und das Schloß aus
Backstein, ziegelrot geschlämmt, mit sandsteingefassten Fenstern und rotem Ziegeldach errichten. Es diente den Plöner Herzögen als Residenz bis zum Tode des letzten Plöner Herzogs Friedrich Carl ( Regierungszeit 1729 bis 1761), der das Gebäude innen im Stil des Rokkoko herrichten und um die heute noch vorhandenen Gebäude des
Schloßvorhofes (Marstall und Reithaus) und des Gartenschlößchens von 1747-51 (nach 1896 als "Prinzenhaus" Erziehungsstätte der Söhne des preußischen Königshauses) erweitern ließ. Mit seinem Tod endete die 129jährige Geschichte des Schlosses als Residenz, da vertragsgemäß das Herzogtum dem dänischen König zufiel und die Verwaltung Holsteins auf die
Glückstädter Kanzlei überging. In der nachfolgenden Zeit blieb das
Schloß Witwensitz und wurde - ab 1833 - erstmals auch als Schule genutzt. 1840 erkor der dänische König Friedrich VIII. Plön zu seinem Sommersitz. Zum zweiten Mal wurde das
Schloß von Grund auf renoviert und umgebaut. 1833 bis 1844 erhielt der Komplex so seine bis auf den heutigen Tag charakteristische weiße Farbe und das Schieferdach. Mit der Annexion durch die Preußen endete die Geschichte des Schlosses als Herrschersitz. 1868 war die historische Inneneinrichtung weitgehend ausgebaut und zum größten Teil in das
Kieler Schloß verbracht worden (wo sie 1942 nach einem Bombenangriff verbrannte). Das Schloß wurde zur
"Kadettenvoranstalt" (siehe
Napola) umgebaut. Nach dem Verbot von Kadettenanstalten durch den Frieden von Versailles wurde das
Schloß 1920 zur "Staatlichen Bildungsanstalt". 1934 wurde das Schloßgebiet Plön als Nationalpolitische Erziehungsanstalt (genannt
Napola) eine der Eliteschulen der Nationalsozialisten. Seit 1950 ist das Schloß wieder staatliches Internat in Einheit mit dem schon 1897 in der Plöner Prinzenstraße gegründeten
Auguste-Viktoria-Gymasium. 1986/88 ergaben Gutachten, daß sich die Anlage nur durch Investitionen in zweistelliger Millionenhöhe vor dem Verfall retten ließ. Seit 1992 wurde deshalb der Verkauf des Schlosses erwogen, doch wurden seit 1995 zunächst die Nebengebäude verkauft. Sie werden seitdem, unterstützt von der Denkmalpflege, saniert. Nachdem sich mehrere Konzepte für das eigentliche Schloß als nicht tragfähig erwiesen hatten, erhielt das Land ein Angebot des Unternehmers Günther Fielmann. Trotz Protesten der Internatsschüler und von deren Eltern, wurde das Schloß nach langwierigen Verhandlungen am 15.1.2002 für 3,6 Millionen
EURO an Fielmann verkauft. Aus dem Schloß soll unter anderem eine Akademie für Optiker werden. Zudem soll die Anlage für über 28 Millionen denkmalgerecht saniert und in Teilen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Die Sanierung wird mit knapp 12 Millionen gefördert. Den größten Teil steuert die EU bei, der Bund und das Land ergänzen diese Mittel.
Henning Höppner / ju (0202)
Quellen: Silke Hunzinger, Schloß Plön - Residenz - Adeliges Armenhaus - Erziehungsanstalt-, Eutin 1997 (Diss. Phil. Kiel 1996), ISBN 3-923457-47-3; Schlösser und Gutsanlagen in Schleswig-Holstein, Hamburg, 1998, L&H-Verlag, ISBN 3-928119-24-9; Pressemitteilung der Landesregierung vom 15.1.2002
Bildquellen: Kreisarchiv/Kreisbildstelle Plön;
Prinzenhaus: Landesamt für Denkmalpflege SH |