Schleswig-Holstein von A bis Z

Sturmflut

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Küstenlinie um 900 n. Chr.

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Küstenlinie vor 1362

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Küstenlinie vor 1634

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Küstenlinie um 1800

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Küstenlinie um 1920

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Küstenlinie 2000

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Diese Animation zeigt, wie die Westküste sich seit 900 durch Sturmfluten und Deichbau veränderte

Steigt das Wasser an der Nordseeküste um mehr als einen Meter über den mittleren Tidehochwasserstand (MTHW), wird von einer Sturmflut gesprochen, als „schwer“ gilt sie, wenn zwei Meter überschritten werden, bei über drei als „sehr schwer“. Zwei Faktoren wirken dabei zusammen. Einmal die Gezeiten - also Ebbe und Flut -, zum andern der Wind. Seine Richtung und Stärke ist dabei der entscheidende Faktor. Das erschwert bis heute die Arbeit der Warndienste. Denn der Zug der sturmbildenden Tiefdruckgebiete ist schwer zu bestimmen. So drohte am 1. Februar 1953 der schleswig-holsteinischen Westküste nach allen Prognosen eine schwere Sturmflut. Das Sturmtief drehte jedoch plötzlich ab und verwüstete die holländische Küste.

Die Gezeiten

Die Anziehung von Mond und Sonne erzeugen die Gezeiten. Den größeren Einfluss hat dabei der kleine aber sehr erdnahe Mond. Stehen Mond und Sonne in einer Achse zur Erde, was bei Voll- und Neumond der Fall ist, addieren sich die Kräfte. Es kommt zu einer so genannten „Springtide“.

Wenn Sonne, Mond und Erde in einem rechten Winkel zueinander stehen, heben sich die Anziehungskräfte zum Teil gegenseitig auf. Es entsteht die so genannte „Nipptide“ mit besonders niedrigen Wasserständen.

Da die Erde sich innerhalb von 24 Stunden einmal um die eigene Achse dreht, laufen die Gezeiten wie riesige Wellen rund um den Erdball. Es bildet sich dabei eine Ellipse, weil auf der gegenüberliegenden Seite der Erdkugel ein „Flutberg“ mitläuft. Innerhalb eines Tages erleben wir deshalb zwei Mal eine Tide, also Ebbe und Flut. Genau dauert sie zwölf Stunden und 24 Minuten.

Die Nordsee

Da sich die Umlaufbahnen des Mondes um die Erde und die der Erde um die Sonne präzise berechnen lassen, sind auch die Tiden sehr genau vorausbestimmen. Allerdings nur dann, wenn auch die jeweiligen Küstenverhältnisse bekannt sind. Die flache Nordsee ist ein Nebenmeer des Atlantiks. Da der englische Kanal sehr eng ist, bestimmt vor allem die aus dem Nordatlantik einlaufende Welle den Eintritt der Flut. Sie läuft dabei vorbei an Schottland, in die Deutsche Bucht und schwenkt dort wieder nach Norden entlang der Wattenmeerküste zurück in Richtung Nordatlantik. Die Kreisbewegung führt dazu, dass das Hochwasser in Cuxhaven früher als in Büsum eintritt. Lokal kommt nochmal die Küstenform dazu. Sie beeinflusst nicht nur, wann eine Flut eintritt, sondern auch deren Höhe. Wird das auflaufende Wasser eingeengt, steigt es. Trifft es auf eine glatte Küste mit viel freiem Seeraum, fällt sie niedriger aus. In der Deutschen Bucht steigt das Wasser so um über drei Meter, während es im nördlichen Dänemark nur ein halber Meter ist. Diese Bewegungen lassen auf Grund jahrelanger Beobachtungen langfristig im Voraus berechnen und durch den Abgleich von Pegelmeldungen aktuell nachjustieren. Obwohl die Wasserstände in der Nordsee durch die Gezeiten stark schwanken, gilt sie als ein austauscharmes Meer. Das bedeutet: die Nordsee ist keine Badewanne. In der läuft das Wasser ab, wenn der Proppen gezogen ist, steigt der Wasserspiegel wieder, wenn neues Wasser aus dem Hahn zuläuft - also getauscht wird. In der Nordsee drückt dagegen die vom Nordatlantik einlaufende Flutwelle das vorhandene Wasser nach oben und sinkt, wenn sich das Wasser wieder in den Nordatlantik ausdehnen kann.

Der Wind ist entscheidend

Der Wind macht aus einer Flut eine Sturmflut. Seine Geschwindigkeit bestimmt, um wie viel sich der Wasserstand erhöht, seine Richtung, wo  die Sturmflut am härtesten zuschlägt. Entscheidend für das Sturmgeschehen ist die Zugbahn der Tiefs. Da die Luftmassen auf der nördlichen Halbkugel immer gegen den Uhrzeigersinn in ein Tief strömen, lässt sich daraus die Windrichtung ermitteln. Bis heute sind die Zugbahnen der Tiefs die größte Variable. Bei der Hollandflut 1953 änderte sich plötzlich alles. Bei der Hamburgflut 1962 wurden Wind und Stärke richtig vorausgesagt. Doch die Daten des Seewetteramtes und die des Deutschen Hydrographischen Institutes wurden erst relativ spät, zu spät für Hamburg und die Küste, zu der Warnung vor einer sehr schweren Sturmflut zusammengeführt.

Historische Sturmfluten

Sturmfluten begleiten die Geschichte Schleswig-Holsteins. Die erste in einer ganzen Reihe historisch bezeugter Sturmfluten, die nach den jeweiligen Tagesheiligen benannt sind, war die “Julianenflut” vom 17.2.1164. Sie richtete vor allem im heutigen Niedersachsen Schäden an und war der Beginn des Entstehens des Jadebusens. Am 16.1.1219 folgte die “Marcellusflut”. Sie betraf vor allem Westfriesland, doch auch an der Westküste Schleswig-Holsteins ertranken rund 10.000 Menschen. Nach der “Luciaflut” vom 14.12.1287 (rund 50.000 Opfer) folgte am 16.1.1362 die “2. Marcellusflut”. Sie ging als „Erste“ oder  “Große Mandränke” in die Geschichte ein. Der Chronist Anton Heimreich (1626*- 1685) berichtet, dass die stürmische "Westsee" vier Ellen (etwa 2,4 Meter) über die höchsten Deiche gegangen sei, dass die Flut 21 Deichbrüche verursacht habe und der Ort Rungholt zusammen mit sieben anderen pfeil.gif (852 Byte) Kirchspielen in der Edomsharde (pfeil.gif (852 Byte) Utlande) untergegangen sei. Heimrich vermutet, es seien 7.600 Menschen umgekommen. Die Chroniken sprechen von insgesamt 100.000 Toten. Eine Zahl, die aus heutiger Perspektive dsicher übertrieben scheint. Diese Flut veränderte jedoch das Bild der Küste radikal. Wenn auch durch Priele unterbrochen gab es bis dahin eine Küstenlinie im heutigen Nordfriesischen Wattenmeer, die sich von Eiderstedt bis nach Sylt zog. Die „Erste Mandränke“ veränderte alles. Es blieben die Geestinseln Amrum und Sylt, Föhr mit Geest und Marsch und es entstand die große Marschinsel Strand. Auch bildeten sich als Folge pfeil.gif (852 Byte) Halligen. Die Flut hatte die pfeil.gif (852 Byte) Marschen zum Teil bis zum Geestrand (pfeil.gif (852 Byte) Geest) durchstossen. Nach der zweiten Marcellusflut begann in Nordfriesland die Landgewinnung (pfeil.gif (852 Byte) Marschen/pfeil.gif (852 Byte) Deichbau). Weitere Sturmfluten folgten 1373, 1436, 1532, 1615, 1625. Am 11. Oktober 1634 folgte schließlich die “Burchardiflut”, die “Zweite Große Mandränke”. Allein in Nordfriesland sollen 9.000 Menschen in den Fluten umgekommen sein. Die Insel Strand wurde in Nordstrand und Pellworm zerrissen, die Halligen “Nieland” und “Nübbel” verschwanden. Über 1.300 Häuser, 28 Windmühlen und 50.000 Stück Vieh gingen nach Anton Heimreich durch den Untergang der Insel verloren. 1717, 1718, 1720 wurde die Küste erneut von einer Serie von Sturmfluten heimgesucht. Die nächste kam erst 1756. Der 3./4.Februar 1825 sollte zur Jahrhundertflut des 19. Jahrhunderts werden. In Jütland brach die Nordsee zum Limfjord durch. In den Herzogtümern blieb sie vor allem als die “Halligflut” im Gedächtnis, weil dort besonders schwere Schäden zu beklagen waren. 1855, 1916, 1936 sowie die „Niedrigwasser Orkanflut“ von 1949 sind die Jahreszahlen der nächsten schweren Sturmfluten. 

Die „Hollandflut“ als Wende

Die “Hollandsturmflut” vom 1.2.1953 wütete vor allem in den Niederlanden, durchbrach dort die Deiche an 67 Stellen und tötete 2.000 Menschen. Obwohl Schleswig-Holstein glimpflich davonkam, wurden in ihrer Folge entlang der Westküste 280 Kilometer Deiche verstärkt. Diese Arbeiten waren bei weitem nicht vollendet, als in der Nacht vom 16. Auf den 17.Februar 1962 die “Hamburg-Sturmflut” die Pegel auf 3,25 Meter über MTHW hoch trieb und allein in der Hansestadt die Deiche an 60 Stellen brachen. Das Hochwasser forderte in der Hansestadt 315 Menschenleben. In Schleswig-Holstein war dagegen kein Todesopfer zu beklagen. Doch es gab erhebliche Sachschäden: von den 560 Kilometern Festlandsdeichen wurden 70 Kilometer zerstört, 80 km erheblich beschädigt und 120 km mussten repariert werden. Die Deiche brachen im Uelvesbüller Koog auf Eiderstedt und im unbewohnten Dockkoog vor pfeil.gif (852 Byte) Husum, in andere drang Salzwasser ein. Auf Sylt wurden bis zu 16 Meter tief ins Land Dünen abgetragen. Während die Deiche der Elbmarschen gehalten hatten, wurden auf Grund des Rückstaus Itzehoe, Elmshorn und Uetersen überschwemmt, weil die Flussdeiche der Stör nicht hielten und an Krückau sowie Pinnau ausreichender Deichschutz fehlte.

„Hamburgflut“ löst Generalplan aus

Als Konsequenz aus der „Hamburgflut“ wurde 1963 der pfeil.gif (852 Byte) Generalplan Küstenschutz für Schleswig-Holstein verabschiedet. Dessen Maßnahmen steckten noch in den Anfängen, als am 23.2.1967 nach 1949 die “zweite Niedrigwasser-Orkanflut” mit den höchsten bis dahin gemessenen Windstärken (bis zu 14 Beaufort, das entspricht über 140 km/h) eintrat. 1973 folgte eine Serie von Sturmfluten. Übertroffen wurden deren Wasserstände durch die “Jahrhundertflut” vom 3.1.1976. Sie lief 45 Zentimeter höher auf als die 1962er Flut und brachte die höchsten bis dahin gemessenen Pegelstände. Der auslösende “Capella-Orkan” war einer der stärksten der vergangenen 30 Jahre. Er erreichte in Büsum Windgeschwindigkeiten von zehn Beaufort und Spitzenböen von 13 Beaufort, was 145 Kilometer pro Stunde entspricht. Der ungeheure Winddruck staute die Wassermassen der Nordsee an den Deichen der Elbe und an der Westküste Schleswig-Holsteins auf eine bis dahin nicht erreichte Höhe über Normalnull (NN) an: in Hamburg zeigte der Pegel 6,45 Meter über NN, in Büsum 5,16 m und in Husum 5,66 m. Die Flut war die große Bewährungsprobe für die Deichverstärkung. Die verbesserten Deiche und die neuen Sperrwerke bestanden diese Probe. Die Deiche wurden war beschädigt, brachen jedoch nur im Dithmarscher Christianskoog, im Kehdinger Land und in der Haseldorfer Marsch, wo sie noch im alten Zustand waren. Bei dieser höchsten Flut seit Menschengedenken kam jedoch kein Mensch ums Leben. Die Wasserstände der Jahrhundertflut wurden während der “Nordfrieslandflut” am 24. 11.1981 im Norden des Kreises erneut übertroffen. Größere Schäden blieben jedoch aus. Vom 26. bis 28.2.1990 folgte die bisher größte bekannte, unmittelbare Folge schwerer Fluten. Die Küste erlebte in den drei Tagen zwei Sturm-, zwei Orkanfluten und eine Windflut. In Büsum wurden Windgeschwindigkeiten von 162 km/h gemessen. Zu Schäden kam es allein beim Deich von Dagebüll sowie an den Steil- und Dünenküsten. 

Küstenschutz bleibt eine Daueraufgabe

Auch wenn der Generalplan als Erfolg gilt und es seit 1990 keine Deichbrüche mehr gegeben hat, wird Küstenschutz weiter als Daueraufgabe gesehen. 2012 wurde deshalb der Generalplan zum vierten Mal fortgeschrieben. Auf Grund der Klimaentwicklung wird davon ausgegangen, dass der Wasserstand der Nordsee weiter steigt. Auch deutet vieles darauf hin, dass sich Sturmfluten künftig häufen. Noch gibt es Reserven, um die Deiche weiter zu erhöhen. Doch setzten vor allem die unter der Marsch liegenden Moorlinsen Grenzen. Sie sind kaum noch weiter belastbar. Wachsen die Erdwerke der Deiche weiter, trägt der Untergrund das Gewicht nur noch bedingt. Im alten Nordstrander Koog wird deshalb zur Zeit der „Deich der Zukunft“ gebaut . Damit der Untergrund trägt werden sogenannte Geotextilien verarbeitet. An Stellen, wo etwa Moorlinsen die gewaltige Erdlast nicht tragen können, werden Gewebeschläuche mit Sand gefüllt. Diese Säulen reichen tief bis auf festen Grund und können die Deiche dann tragen. Der neue Deich ist nicht nur höher und hat noch flacherer Böschungen an denen sich die anstürmenden Wellen totlaufen können. Der neue Deich ist an seiner Spitze mit einer Kronenbreite von fast fünf Metern dort auch doppelt so breit wie bisherige Bauten. Diese breite Krone reicht, um dem Deich später noch eine Kappe aufsetzen zu können, falls der Meeresspiegel weiter steigt. Die Deichbauer nennen es „Klimakappe“.

Die Großen Sturmfluten an der Westküste und ihre Folgen

17.02.1164  „Erste Julianenflut“ – eine der ersten sehr schweren Sturmfluten nach dem Beginn des Deichbaus. Sie richtete vor allem im heutigen Niedersachsen große Schäden an und leitete die Entstehung des Jadebusens ein

14.12.1287  „Luciaflut“ – sucht die gesamte Nordseeküste heim

16.01.1362  „Zweite Marcellusflut“ – Sie ging als „Große“ oder „Erste Mandränke“ in die Geschichte ein. Die „Westsee“ forderte zahlreiche Opfer. Unter anderem ging Rungholt unter. Vor allem jedoch veränderte die Flut das Gebiet zwischen Eiderstedt und Sylt. Aus einer bis dahin zwar durch Priele unterbrochenen Landschaft mit einer fast durchgängigen Küste entstanden Inseln und Halligen. Neben Sylt, Föhr und Amrum war es vor allem die große Marschinsel Strand.

Nach der „Ersten Mandränke“ begann die Landgewinnung in Nordfriesland

01.11.1436  „Allerheiligenflut“ – sie überflutete vor allem Eiderstedt und Strand, führte jedoch nicht zu Landverlusten

31.10.1532  „Dritte Allerheiligenflut“ – Es gab mehrere 1.000 Tote in Nordfriesland. Die Höhe der Flut ist durch die erste Höhenmarke in der Kirche von Klixbüll überliefert.

1610  Endete an der schleswig-holsteinischen Westküste die Zeit des genossenschaftlich durch die Marschbewohner organisierten Deichbaus. Der Deichbau wird Unternehmen übertragen, die nun Tagelöhner einsetzen. Erstes Deichbauprojekt in der neuen Form ist der Sieversflether Deich auf Eiderstedt. Der aus Holland angeworbene Generaldeichgraf Johann Claussen Rollwagen führt flachere Deichprofile ein, setzt erstmals an der Westküste Schubkarren ein und vollendet innerhalb weniger Jahre sechs Deichbauprojekte.

1613  In Tönning gibt es den ersten Deicharbeiteraufstand. Die Unruhen der Tagelöhner heißen wie in den Niederlanden Lawai . Der Begriff leitet sich aus dem Französischen „levée“ für Aufstand ab.

26.02.1625  „Fastnachtsflut“ – Eine Eisflut, die von Südholland bis hoch nach Jütland wütete.

11.10.1634  „Zweite Mandränke“ die „Burchardiflut“ – Allein in Nordfriesland sollen in den Fluten 9.000 Menschen umgekommen sein. Sie zerriss die Insel Strand in die Teile Nordstrand und Pellworm.

Die durch die Mandränke verarmten Küstenbewohner waren nicht mehr in der Lage, die enormen Kosten für den Deichbau aufzubringen. Deshalb suchten die Gottorfer finanzkräftige Investoren. Die fanden sie vor allem in den Niederlanden. Der Herzog vergab nun das Recht, aufgewachsenes Vorland zu bedeichen, als „Oktroy“ an private Bauherren. Neben den Gewinnen aus den reichen Erträgen der jungen Marsch, sollten Steuerprivilegien, das Recht Mühlen zu bauen und – wichtig gerade für die von Glaubenskämpfen zerrissenen Niederlande – Religionsfreiheit die Investoren locken (Holländer). Von der Elbe bis nach Tondern brach ein Deichbauboom aus.

24.12.1717  „Weihnachtsflut“ – Sie verwüstete Gebiete entlang der gesamten Küste. 6.000 Quadratkilometer stehen unter Wasser, rund um die Nordsee wird die Zahl der Toten auf 12.000 geschätzt. An der Westküste war Dithmarschen besonders schwer betroffen.

29.01.1800  Der dänische König Christian VII. erlässt ein Patent für den dänischen Gesamtstaat, um Kontrolle und Unterhalt der Deiche auf eine einheitliche Rechtsgrundlage zu stellen. Vor allem geht es darum, die nicht durch Vorland geschützten so genannten Schardeiche sicherer zu machen.

03/04.02.1825  „Halligflut“ –die Jahrhundertflut des 19. Jahrhunderts richtete besonders auf den Halligen große Schäden an. In Jütland brach die Nordsee zum Limfjord durch.

1862 – 1887  Die Hamburger Hallig (1862), Oland (1896), Langeneß und Nordstrandisch-Moor (1897) werden durch Dämme mit dem Festland verbunden.

13.03.1906  „Märzflut“ – sie bringt größere Scheitelhöhen als die Sturmflut von 1825, führt jedoch nicht zu hohen Verlusten an Menschenleben, Land und Sachgütern.

1926-1938  Mit dem Bau des Neufelder Kooges in Dithmarschen und dem Sönke-Nissen-Koog in Nordfriesland endet die Zeit des privatfinanzierten Deichbaus. Nach ihrer Machtübernahme begannen die Nationalsozialsten mit staatlichem Deichbau. Bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges entstanden neun neue Köge. Einerseits als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme gedacht, waren die auch nach NS-Größen benannte Köge vor allem für die Propaganda wichtig, weil neuer „Lebensraum“ geschaffen wurde. Das führte auch dazu, dass in Gegensatz zu den letzten privat finanzierten Deichen kaum die schon vorhandenen Großgeräte wie etwa Eimerbagger eingesetzt wurden. Mit viel Handarbeit sollten viele – im Übrigen in der Mehrzahl aus Städten stammende Arbeitslose – beschäftigt werden. Exemplarisch dafür und für die propagandistische Vermarktung der Neulandgewinnung steht der 1935 vollendete Adolf-Hitler-Koog (heute: Dieksanderkoog)

18.10.1936  „Mittagsflut“ - Schwere Sturmflut zur Springtidezeit, die ihren Höhepunkt an der Westküste am Mittag erreichte, Deiche überströmte und zahlreiche Böschungsschäden anrichtete.

10.02.1949  „1. Niedrigwasserorkanflut“ - Ein örtlich begrenzter sehr starker Sturmwirbel erreichte die Küste kurz vor dem Hochwasser und staute das Meer an den Deichen bis sechs Stunde bis zur Niedrigwasserzeit. Kaum Schäden.

01.02.1953  „Hollandsturmflut“. Außergewöhnlich hohe Katastrophenflut, die erst auf die schleswig-holsteinische Westküste zulief und dann die Richtung änderte, um zu Rekordwasserständen im Rhein, Maas, Schelde Gebiet aufzulaufen. Dort brachen 67 Deiche, 2.000 Menschen ertranken.

Die Hollandflut löste an der Westküste eine Bestandsaufnahme aus, die dazu führte, dass in den Folgejahren fast die Hälfte der noch 580 Kilometer Festlandsdeiche „ertüchtigt“ wurden. Wo die Deiche schon verstärkt waren, hielten sie 1962 bei der „Hamburgflut“.

16./17.02.1962  „Hamburgflut“ – Richtete erhebliche Schäden von Ostfriesland bis Nordfriesland an. Vor allem Hamburg wurde betroffen, ein Sechstel der Stadtfläche wurde überschwemmt, 315 Menschen starben.

20.12.1963  Schleswig-Holstein legt den „Generalplan Deichverstärkung, Deichverkürzung und Küstenschutz in Schleswig-Holstein“ vor. Beginn des größten Deichbauprojektes in der Geschichte Schleswig-Holsteins. Bis heute sind über drei Milliarden € verbaut worden.

23.02.1967  „2. Niedrigwasser-Orkanflut“ - Höchste bis dahin gemessene Orkanstärke (14 Beaufort). Im Gegensatz zur 1. Niedrigwasserflut kam der Orkan wirklich zur Niedrigwasserzeit und flaute vor dem Hochwasser ab. Es kam zu geringen Deich-, doch enormen Gebäudeschäden. Die Sturmflut wird auch „Adolph-Bermpohl-Orkan“ genannt, weil der gleichnamige Seenotrettungskreuzer während des Sturmes sank.

03.09.1969  Der Küstenschutz wird zu einer nationalen Aufgabe. Mit dem Gesetz über die Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ wird vereinbart, dass der Bund 70 Prozent der Investitionskosten für Küstenschutzmaßnahmen übernimmt.

01.01.1971  Die Landesschutzdeiche (also die Erste- oder Seedeichlinie) werden verstaatlich. Damit endet die jahrhundertealte Zuständigkeit der regionalen Deichverbände. Sie bleiben zuständig für die zweite Deichlinie und die Binnenentwässerung.

03.01.1976  „Jahrhundertflut“ - Brachte die bis dahin höchsten Wasserstände. Der außergewöhnlich heftige Sturm dauerte fünf Stunden. Dank der seit 1963 eingeleiteten Maßnahmen des „Generalplans Küstenschutz“ brachen die Deiche jedoch nur an drei noch nicht ertüchtigten Deichstrecken.

24.11.1981  „Nordfrieslandflut“ - die im nördlichen Nordfriesland die höchsten bis dahin gemessenen Wasserstände brachte.

26.-28.02.1990  „Orkankette“ - Die bisher größte bekannte unmittelbare Abfolge von Sturmfluten, die innerhalb von zwei Tagen zwei Sturmfluten, zwei Orkanfluten und eine Windflut brachte. Beschädigt wurde nur der Seedeich in Dagebüll; und es kam zu Landverlusten auf Sylt

-ju- (0201/0702/0603/0508/1114)

Quellen: Peter Wieland, Küstenfibel, Boyens & Co, 1990 [vergriffen]; Ute Wilhelmsen, Ebbe + Flut, Boyens & Co, 1999 www.buecher-von-boyens.de; Klaus-Joachim Lorenzen-Schmidt und Ortwin Pelc (Hrsg.), Schleswig-Holstein Lexikon, Neumünster, 2000, Wachholtz Verlag, ISBN 3-529-02441-4, Zum Lesen empfohlen (SHLEX); Korrigiert durch einen Hinweis von Jochen Marnitz vom 150108 durch Nachfrage beim Landesbetrieb für Küstenschutz, Naturschutz und Umwelt in Husum durch Bernd Probst vom Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Ländliche Räume des Landes Schleswig-Holstein in Kiel; Ingo Kroll, „Küstenschutz in der Nachkriegszeit“, Peter Wieland „Küstenfibel“ 

Bildquellen: Grafik Sturmfluten: Björn Hansen; Mann auf Deich: Archiv der Gemeinde Pellworm; Grafiken Gestirne: nordwestreisemagazin

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