Telegraf/Telefon/Funk |
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![]() Blick in den Vermittlungsraum des Ortsamtes im Fernsprechamt Hamburg-Altona 1912. Mit 45.000 Anschlüsse war das Fernsprechamt vor dem ersten Weltkrieg die größte Vermittlungsstelle weltweit |
Schon um 1800 hat es in den
16 Jahre nachdem Philipp Reis das Telefon erfunden hatte, nahm die Reichspost 1877 den Fernsprechdienst auf. Erst 1883 wurde in Kiel das erste Ortsnetz eröffnet. Es verband – nur tagsüber – 62 Teilnehmer in Kiel, Gaarden und Neumühlen-Dietrichsdorf. Vier Jahre später war Kiel mit Hamburg und Flensburg verbunden. Nun waren auch Ferngespräche möglich. 1901 gab es im Bereich der OPD Kiel schon 4.800 Anschlüsse. Alle Verbindungen mußten mit der Hand vermittelt werden. 1923 begannen mechanische Wählvermittlungen, die “Fräuleins vom Amt” zu ersetzten. Der Übergang zum flächendeckenden Selbstwähldienst in Schleswig-Holstein dauerte drei Jahrzehnte. Auch im Funkbereich, also bei den Diensten, die Sprache, Ton und Bild drahtlos übermitteln, spielte die Reichspost und später die Bundespost eine entscheidende Rolle. 1926 errichtete die Reichs-Post- und Telegraphenverwaltung den ersten Rundfunksender Schleswig-Holsteins in Kronshagen, zwei Jahre später den Sender Flensburg und sorgte für den Betrieb. Der Sender Flensburg schrieb Geschichte, weil über ihn am 8.Mai 1945 Großadmiral Dönitz die Kapitulation des Reichs verkündete und damit der Zweite Weltkrieg in Europa endete. Als Folge wurde Deutschland geteilt. Damit stand für den Seefunkverkehr Westdeutschlands im Bereich der Ostsee auch die Küstenfunkstelle Rügen nicht mehr zur Verfügung. 1946 nahm deshalb "Kiel Radio" seinen Betrieb auf. Rasant entwickelte sich aus kleinsten Anfängen der sogenannte “Landfunkdienst”, aus dem sich die Mobilfunknetze mit knapp 60 Millionen Teilnehmern (2002) gebildet haben. Die starke Zunahme des Fernmeldeverkehrs machte es notwendig, Ferngespräche, Rundfunk- und Fernsehsendungen auch mit Hilfe von Richtfunkstrecken zu übertragen. Dazu wurden im Lande zahlreiche Fernmeldetürme errichtet, der erste 1955 auf dem Bungsberg, ein zweiter 1956 im Vieburger Gehölz in Kiel. Kabelfernsehen und Satellitenempfang haben den Kreis der Nutzer der sogenannten "terrestrischen Versorgung" über Funk in den vergangenen Jahren stark schrumpfen lassen. Das wird sich voraussichtlich ändern, wenn in den nächsten Jahren von den traditionellen analogen auf digitale Sendeverfahren umgestellt wird. Sie erlauben es, auf den bisher genutzten Frequenzen eine Vielzahl von Programmen und Diensten in einwandfreier Qualität zu übertragen. 1994 wurden Post und Fernmeldewesen nach 118 Jahren wieder voneinander getrennt und als Deutsche Post AG und Deutsche Telekom AG privatisiert. Joachim Thun (0903) Quellen: Wilhelm Sager, Postgeschichte
Schleswig-Holsteins, 2002, Heide, Boyens & Co, ISBN 3-8042-1087-2,
Zum Lesen empfohlen;
Willi Jensen, 100 Jahre Fernsprechen in Kiel 1883/1983, Post- und
Fernmeldegeschichte zwischen Nord- und Ostsee, Heft 1/1983; Johannes
Petersen, Der Weg von der ersten Telegraphenstation zum heutigen
Fernmeldeamt Flensburg, Post-Geschichte zwischen Nord- und Ostsee, Heft
1992; Johannes Petersen, 500 Jahre Post in Deutschland, 125 Jahre deutsche
Post in Schleswig-Holstein a.o.O. Heft 1990; Günter H. Müller,
Baugeschichte der Fernmeldetürme aus Stahlbeton in Schleswig- Holstein,
Blätter zur Geschichte des Post- und Fernmeldewesens Bildquellen: Vignette: Aus dem Sonderdruck, Fernsprechregeln von 1884, 1984 Deutsche Bundespost; Vermittlung Altona: Museum für Post- und Telekommunikation, Hamburg |