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Torf


Gestochener Torf wird zum Trocknen gestapelt. Bild aus Dithmarschen


Torfstich im Lindener Moor in Dithmarschen

Durch den Rückgang des Waldbestands in den pfeil.gif (852 Byte) Herzogtümern wurde im 15. Jahrhundert das Brennholz knapp. Als "Holzersatz" ging man zunehmend dazu über, in den pfeil.gif (852 Byte) Mooren Torf zu stechen und an der Luft zu trocknen. Besonders die waldlosen pfeil.gif (852 Byte) Marschen waren auf den Brennstoff angewiesen, der überwiegend von den benachbarten pfeil.gif (852 Byte) Geest geliefert wurde. Im 16. Jahrhundert wurde Torf zu einem Handelsartikel, der besonders in den Städten Absatz fand. Mit Torfordnungen sollte nun der Abbau reguliert werden. Bis in das 19. Jahrhundert blieb Torf der wichtigste Brennstoff. Er wurde auch gewerblich etwa in Ziegeleien oder Glashütten eingesetzt. Erst ab 1820 kam englische Steinkohle in größeren Mengen ins Land. Sie ersetzte zunehmend den Torf. Die Natur der Moore war ihren Ausbeutern nicht bekannt. Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts glaubte man deshalb irrtümlich, was oben abgebaut würde, wüchse von unten nach. Doch stechbarer Torf wurde immer rarer. So wurde die Technik des "Streichtorfs" entwickelt. Dafür wurde torfhaltiges Wasser gefördert, in Formen gegossen, um darin zu kleinen harten Torfbriketts zu trocknen. Im Gegensatz zum eher losen gestochenen Torf haben diese harten Briketts einen Brennwert, der sich mit dem von Braunkohle vergleichen läßt. Trotzdem lief die Zeit des Torfs ab. Im Zuge der pfeil.gif (852 Byte) Industrialisierung und mit dem Aufbau der pfeil.gif (852 Byte) Eisenbahn war er nicht mehr konkurrenzfähig zur Steinkohle. Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts kam Torf als saugfähige Streu für Viehställe und als Bindemittel für menschliche Fäkalien in den Sammelbehältern der Latrinen ("Goldeimer") zu neuen Ehren. Mit der pfeil.gif (852 Byte) Kanalisation der Städte endete diese Phase schnell. 1910 wurde der Torfstich beendet. Nur noch in wenigen ländliche Gebieten wurde Torf zum Feuern abgebaut. In den Notzeiten nach dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg (siehe pfeil.gif (852 Byte) Flüchtlinge) gab es jeweils eine kurze Renaissance des Brenntorfs. Gartentorf wird in Schleswig-Holstein heute noch im größeren Ausmaß etwa im Breitenburger Moor bei Itzehoe abgebaut.

LS (1002)

Quelle: Klaus-Joachim Lorenzen Schmidt, Ortwin Pelc (Hrsg), Schleswig-Holstein Lexikon (SHLEX), Neumünster, 2000, Wachholtz Verlag, ISBN 3-529-02441-4, Zum Lesen empfohlen

Bildquelle: Museum für Dithmarscher Vorgeschichte, Heide

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