Vitalienbrüder |
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![]() Auch die Köpfe enthaupteter Piraten wurden im Mittelalter zur Warnung und Abschreckung auf Pfähle gesetzt. Dieser wurde Ende des 19. Jahrhunderts bei den Gründungsarbeiten zur Speicherstadt gefunden. Heute ist man sicher: er stammt von etwa 1400 es könnte also der von Klaus Störtebeker sein. |
Wie fließend im Mittelalter die
Übergänge zwischen Der Kaperkrieg wurde zunächst mit
Erfolg betrieben. So gelang es den Ausliegern, die dänische Blockade zu
durchbrechen und das belagerte Stockholm mit Lebensmitteln oder "Vitalien" (nach
dem französischen "vitailleurs", wie die Fouriere im Hundertjährigen Krieg
genannt wurden) zu versorgen. Die mecklenburgischen Kaperer waren fortan als
"Vitalienbrüder" berühmt und berüchtigt. Doch auch Margarethe stellte
Kaperbriefe aus. Auf der Ostsee begann ein hemmungsloser Kaperkrieg gegen alle Schiffe.
Das hatte vor allem für den hansischen Handel katastrophale Folgen. Visby, Malmö und
andere Orte wurden geplündert, die Schiffahrt auf der Ostsee kam fast völlig zum
Erliegen. Angesichts dieser Lage verwundert es daher kaum, daß die Hansestädte, sofern
sie Kaperfahrern habhaft werden konnten, diese ungeachtet ihrer Kaperbriefe nach dem
biblischen Motto "Auge um Auge" oftmals wie gewöhnliche Piraten behandelten.
Überliefert ist die Geschichte der Besatzung eines Stralsunder Handelsschiffes, die 1391
nicht nur einen Kaperangriff abwehren konnte, sondern auch eine große Zahl von Vitaliern
gefangennahm. Die Stralsunder erinnerten sich, wie Kaperfahrer ihre Gefangene gerne
transportierten. Sie schlugen so Löcher in die Böden von Fässern und stülpten sie dann
den Kaperern über. Im Heimathafen angekommen, machte man sich nicht mehr die Mühe, die
Gefangenen zu befreien und schlug ihnen gleich über dem Faßboden die Köpfe ab. 1392 war
die |
![]() So sollten sich Zeitgenossen Klaus Störtebeker vorgestellen. Die Vorlage zu dem Bild lieferte jedoch Kuntz von Roosen, Hofnarr Maximilians I. |
Erst 1395 gelang es der Hanse unter
Führung Einem Teil der Vitalienbrüder darunter auch Godecke Michels und Klaus Störtebeker war es gelungen, in die Nordsee zu flüchten. Dort machten sie vor allem von der Küste zwischen Dollart und Jadebusen aus weiter. In diesem Küstenabschnitt gab es keine Hansestädte, und die in Dauerfehden verstrickten friesischen Häuptlinge boten den als kampfkräftige Verbündete begehrten Vitalienbrüdern gerne Unterschlupf. Die Hansestädte wollten das nun in die Nordsee verlagerte Treiben nicht weiter hinnehmen. 1400 beschloß der Hansetag deshalb, ein Geschwader mit elf Schiffen und 950 Bewaffneten gegen die Vitalier auszurüsten. Die Hansestädte Hamburg und Bremen gingen auf eigene Faust auf Piratenjagd. Wahrscheinlich noch im Jahr 1400 gelang es dem Hamburger Ratsherren Hermann Lange und Nikolaus Schoke vor Helgoland, Klaus Störtebeker zu stellen. In dem Gefecht wurden 40 Vitalier getötet und 70 weitere darunter Störtebeker gefangengenommen und 1401 in Hamburg auf dem Grasbrook enthauptet. Ein Jahr später widerfuhr Goedecke Michels und seinen Kumpanen dasselbe Schicksal. Der Spuk der Piraterie hatte damit vorerst sein Ende. |
![]() Enthaupten war die Strafe für Piraten. Die Köpfe wurden zur Warnung zur Schau gestellt |
Die Vitalienbrüder waren weder die ersten
noch die letzten Kaperfahrer, die im Mittelalter die Grenze zur offenen Piraterie
überschritten. Politische und wirtschaftliche Rivalität sorgten während der ersten
Hälfte des 15. Jahrhunderts im Nordseeraum für eine Atmosphäre der Unsicherheit.
England und Frankreich standen im 100jährigen Krieg, 1438 bis 1441 lagen Holland und die
Hanse im Streit, und als der beendet war, wollte Bremen, das neutral geblieben war, seine
Schäden von den Holländern ersetzt haben. Als die nicht zahlten, stellte die Hansestadt
Kaperbriefe aus. Noch im 16. Jahrhundert gab es Probleme mit Kaperern in der Ostsee.
Jann Markus Witt (TdM 0301) Bildquellen: Museum für Hamburgische Geschichte |