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„Votivschiffe“

Das "Lübecker Adler" genannte Modell von 1617 in Landkirchen auf Fehmarn. Das älteste erhaltene Schiffsmodell in einer Kirche Schleswig-Holsteins läßt deutlich erkennen, wie durch einen kleinen Rumpf mit großen Kanonen sowie einer im Verhältnis zu großen Takelage der Perspektive der Kirchgänger Rechnung getragen wurde

Das „Lübecker Adler“ genannte Modell von 1617 in Landkirchen auf Fehmarn. Das älteste erhaltene Schiffsmodell in einer Kirche Schleswig-Holsteins läßt deutlich erkennen, wie durch einen kleinen Rumpf mit großen Kanonen sowie einer im Verhältnis zu großen Takelage der Perspektive der Kirchgänger Rechnung getragen wurde

Schiffsmodelle in Kirchen sind in fast allen europäischen Küstenländern zu finden. Besonders häufig in Skandinavien. In Dänemark sind es über 1.000. In Schleswig-Holstein waren es einmal rund 65. Gut 35 finden sich noch heute an ihren angestammten Plätzen, einige weitere in Museen. Angelehnt an die katholische Tradition der Bitt- oder Dankgaben in Form der „Votivtafeln“, werden die Schiffe landläufig „Votivschiffe“ genannt. Damit sind sie eingängig, aber zumindest im protestantischen Norden falsch bezeichnet. Soweit bekannt, wurden die Schiffe von Gilden oder Privatpersonen gestiftet und dienten vor allem repräsentativen Zwecken. Eines der ältesten Schiffe – nicht nur in Schleswig-Holstein – hängt seit 1617 in Landkirchen auf Fehmarn. Es soll das Kriegsschiff „Lübecker Adler“ darstellen. Typisch für die frühen Beispiele ist ihre perspektivische Bauart.

Das Schiffsmodell "Emanuel" im Dithmarscher Delve an der Eider wurde der Kirche 1877 als "ewiges Andenken" von der örtlichen Schiffergilde gestiftet

Das Schiffsmodell „Emanuel“ im Dithmarscher Delve an der Eider wurde der Kirche 1877 als „ewiges Andenken“ von der örtlichen Schiffergilde gestiftet

Damit das hoch im Kirchenschiff und mit dem Bug zum Altar ausgerichtete Modell von unten richtig wirkte, wurde der Rumpf im Verhältnis zum Original verkleinert und flach gehalten, die Takelage dagegen vergrößert. Die Wehrhaftigkeit der im 17. und 18. Jahrhundert dominierenden Kriegsschiffe wurde durch vergrößerte Kanonen unterstrichen. Im 19. Jahrhundert wurden den Kirchen vor allem Modelle von Handelsschiffen gestiftet. Nach 1850 wurde auch der technische Fortschritt in den Kirchen sichtbar. In Kropp und Arnis wurden den Kirchen Modelle von Fregatten gestiftet, die zusätzlich Schraubenantrieb aufweisen. Im 20. Jahrhundert kamen wieder vor allem historische Schiffsmodelle in Mode. Beispiel dafür ist das 1928 der Kirche auf der Hallig Nordmarsch-Langeneß gespendete Modell eines alten niederländischen Walfangschiffes. Eine Ausnahme ist der Fischkutter „Schlu 2“, der der Andreaskirche in Lübeck-Schlutup 1936 aus Anlaß ihres 500jährigen Jubiläums geschenkt wurde.

Der Fischkutter "Schlu 2" ist eine Ausnahme im 20. Jahrhundert. Das 1936 von Fischern gestiftete Modell eines Kutters stellt einen seinerzeit aktuellen Schiffstyp dar

Der Fischkutter „Schlu 2“ ist eine Ausnahme im 20. Jahrhundert. Das 1936 von Fischern gestiftete Modell eines Kutters stellt einen seinerzeit aktuellen Schiffstyp dar

Nils Hansen (0603)

Quelle: Nils Hansen in Heinrich Mehl (Hrsg.), Historische Schiffe in Schleswig-Holstein, 2002, Heide, Boyens & Co, www.buecher-von-boyens.de, ISBN 3-8042-1107

Bildquellen: Alle Bilder aus dem Aufsatz von Nils Hansen (s.O.); Vignette/“Lübecker Adler“: Teuchert 1974; Delve / „Schlu 2“: Pods 1988