Eine Zeitreise durch die
Geschichte Schleswig-Holsteins

II. Etappe: Lokale Herrschaft und absolutistischer Staat (1100 bis 1799) 


Johann Rantzau (1492-1565), holsteinischer Adliger, Feldherr der dänischen Könige
Das Bevölkerungswachstum seit dem 9. Jahrhundert (850 - 230.000, 1225/1340 - 420.000 Einwohner) ermöglicht und erfordert den Landesausbau seit dem 12. Jahrhundert. Unter den Schauenburger Grafen und mit starker Beteiligung ihrer adligen Lehnsleute wird das slawische Wagrien erobert, kolonisiert und missioniert. Neu gegründete Dörfer und ein im 13. Jahrhundert sehr dicht werdendes Netz von Städten, die fast alle am Wasser liegen, an Förden und Flüssen, überziehen die Grafschaft Holstein und dann auch, weniger dicht, das Herzogtum Schleswig. Ein Stadtbewohner kann täglich etwa 30 km zurücklegen, das ist die mittlere Entfernung vieler Kleinstädte voneinander. Das Leben ist lokal organisiert: in Dörfern und kleinen Städten, deren Herren Landesherr, Klöster und Adlige sind. Inhaber von Herrschafts- und Schutzrechten, haben sie auch ein Besteuerungsrecht gegenüber ihren Untertanen. Diese "Herrschaften", die Stände, und der Landesherr treffen sich zum Beispiel, um einen Krieg vorzubereiten oder "Land und Leute" zu verteidigen. Sie sind das "Land", das seit dem 15. Jahrhundert auf Landtagen - zunächst unter freiem Himmel - zusammenkommt. Über den holsteinischen Adel, der seit der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts zwischen Eider und Schlei Fuß faßt, ist auch das dänische Herzogtum Schleswig mit Holstein verbunden. In beiden Territorien regieren seit 1460 die Oldenburger, seit 1448 auch Könige von Dänemark. Seit dem 16. Jahrhundert, einer Zeit der agrarischen Hochkonjunktur, breitet sich die Geldwirtschaft aus. Der Adel errichtet seine Gutsherrschaft. Geld ist eine Voraussetzung für frühmoderne zentrale Herrschaftsformen, welche die Oldenburger entwickeln, um die Krisen und Katastrophen des 17. Jahrhunderts zu meistern. Der Adel verliert dabei seine politischen Mitbestimmungsrechte, bewahrt aber seine dominierende ökonomisch-soziale Stellung bis ins 19. Jahrhundert. Das aus den Landesteilungen des 16. Jahrhunderts entstandene Zwergfürstentum Schleswig-Holstein-Gottorf zerbricht in den Konflikten seiner Herzöge mit der königlichen Linie und geht 1773 im dänischen, von aufgeklärten Staatsmännern regierten Gesamtstaat auf.

Die prosperierenden Herzogtümer bringen eine reiche Herrenhauskultur und die ersten europäischen Agrarreformen hervor. Im 2. Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts kündigen sich die ersten Kämpfe um Nation und Verfassung an. Sie bestimmen das weitere politische Geschehen. -ulla-

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