
Johann Rantzau (1492-1565), holsteinischer Adliger, Feldherr der dänischen Könige
|
Das Bevölkerungswachstum seit dem 9. Jahrhundert (850 -
230.000, 1225/1340 - 420.000 Einwohner) ermöglicht und erfordert den Landesausbau seit
dem 12. Jahrhundert. Unter den Schauenburger Grafen und mit starker Beteiligung ihrer
adligen Lehnsleute wird das slawische Wagrien erobert, kolonisiert und missioniert. Neu
gegründete Dörfer und ein im 13. Jahrhundert sehr dicht werdendes Netz von Städten, die
fast alle am Wasser liegen, an Förden und Flüssen, überziehen die Grafschaft Holstein
und dann auch, weniger dicht, das Herzogtum Schleswig. Ein Stadtbewohner kann täglich
etwa 30 km zurücklegen, das ist die mittlere Entfernung vieler Kleinstädte voneinander.
Das Leben ist lokal organisiert: in Dörfern und kleinen Städten, deren Herren
Landesherr, Klöster und Adlige sind. Inhaber von Herrschafts- und Schutzrechten, haben
sie auch ein Besteuerungsrecht gegenüber ihren Untertanen. Diese
"Herrschaften", die Stände, und der Landesherr treffen sich zum Beispiel, um
einen Krieg vorzubereiten oder "Land und Leute" zu verteidigen. Sie sind das
"Land", das seit dem 15. Jahrhundert auf Landtagen - zunächst unter freiem
Himmel - zusammenkommt. Über den holsteinischen Adel, der seit der 2. Hälfte des 13.
Jahrhunderts zwischen Eider und Schlei Fuß faßt, ist auch das dänische Herzogtum
Schleswig mit Holstein verbunden. In beiden Territorien regieren seit 1460 die
Oldenburger, seit 1448 auch Könige von Dänemark. Seit dem 16. Jahrhundert, einer Zeit
der agrarischen Hochkonjunktur, breitet sich die Geldwirtschaft aus. Der Adel errichtet
seine Gutsherrschaft. Geld ist eine Voraussetzung für frühmoderne zentrale
Herrschaftsformen, welche die Oldenburger entwickeln, um die Krisen und Katastrophen des
17. Jahrhunderts zu meistern. Der Adel verliert dabei seine politischen
Mitbestimmungsrechte, bewahrt aber seine dominierende ökonomisch-soziale Stellung bis ins
19. Jahrhundert. Das aus den Landesteilungen des 16. Jahrhunderts entstandene
Zwergfürstentum Schleswig-Holstein-Gottorf zerbricht in den Konflikten seiner Herzöge
mit der königlichen Linie und geht 1773 im dänischen, von aufgeklärten Staatsmännern
regierten Gesamtstaat auf. Die prosperierenden
Herzogtümer bringen eine reiche Herrenhauskultur und die ersten europäischen
Agrarreformen hervor. Im 2. Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts kündigen sich die ersten
Kämpfe um Nation und Verfassung an. Sie bestimmen das weitere politische Geschehen.
-ulla- |