Zum Lesen empfohlen

dueppelGeschichte einer Schlacht
Schlachtbank Düppel
von Tom Buk-Svienty aus dem dänischen von Ulrich Sonnenberg

Zumindest Autor Tom Buk-Svienty schätzt die Zahl der Bücher über die Schlacht am 18. April 1864 vor den Toren Sonderburgs auf über 2.000. Warum sich der 1966 geborene Journalist trotzdem die Mühe gemacht hat, das 2.000-und-Xte Buch über das preußisch-dänische Gemetzel zu schreiben, haben die Dänen beim Erscheinen schnell gemerkt. Sie wählten „Slagtebænk Dybbøl“ 2008 zum Sachbuch des Jahres. Es war nicht nur ein Bestseller, es hat auch den historischen Diskurs in Dänemark grundlegend verändert. Wie auch die regionale deutsche Geschichte ist die nationale dänische in weiten Kreisen auch der so genannten Bildungselite von Mythen geprägt. Eine der stärksten ist die vom tapferen kleinen Königreich, das 1864 von bösen Preußen überfallen wurde. Der Sieg der „Agressoren“ ist gleichzeitig der Anfang vom Ende des Gesamtstaates. Nach dem Debakel der napoleonischen Kriege, ging 1814 schon Norwegen verloren. 50 Jahre später schließlich folgen die Herzogtümer Schleswig und Holstein sowie auch das Herzogtum Lauenburg als Folge des Zweiten Schleswigschen Kriegs. Aus dem europäischen Mittelstaat mit dänisch- und deutschsprechenden Untertanen wurde dadurch der rein dänische Kleinstaat. Düppel ist damit der Geburtsort des neuen, kleinen  Königreichs Dänemark. Daraus erklärt sich auch, warum die Dänen jedes Jahr wieder am 18. April eine Niederlage feiern. Düppel war ohne Zweifel ein Wendepunkt der dänischen Geschichte.

Tom Buk-Svienty räumt mit seinem Buch „Slagtebænk Dybbøl“ gründlich mit dem Mythos der bösen Aggression auf. Er stellt klar, es waren die Dänen, die den zweiten Schleswigschen Krieg provozierten. Sie verloren ihn, weil sie naiv waren (die Preußen kommen nicht im Winter), weil sie schlecht gerüstet waren (Vorderlader gegen Zündnadelgewehre) und weil sie aus Kopenhagen schlecht geführt wurden. Das Tragische dieses von Dänemark provozierten überflüssigen Krieges: Auch die technisch und personell weit überlegende österreichisch-preußische Allianz war schlecht geführt. Doch das Schwanken und Warten der Angreifer wurde von dem der Verteidiger übertroffen und musste am Ende zum Sieg der Preußen in Düppel führen. All das erzählt Tom Buk-Svienty. Was dieses Buch jedoch anders macht, ist sein Ansatz. Er schildert die große Linie des Geschehens. Das tut er aus der Sicht der bekannten historischen Protagonisten wie von Otto von Bismarck oder dem heute vergessenen dänischen Ministerpräsidenten Ditlev Gothard Monrad. Aber er tut es auch durch den 26-jährigen preußischen Soldaten Wilhelm Gather und dem 30-jährigen dänischen Müller und Landwehrmann Niels Christian Larsen. Die Briefe der einfachen Soldaten sind das eindringlichste an dem Buch. Dazu kommen die Berichte von Kriegskorrespondenten, die der ersten Rot-Kreuz Gesandten. Der Autor webt dies alles zu einem historisch beklemmenden Gesamtbild einer verzweifelten und blutigen Schlacht zusammen. „Schlachtbank Düppel“ ist ein Buch über den Krieg, das zugleich ein Buch gegen den Krieg ist. Tom Buk-Svienty folgt dabei schlicht der Chronologie und setzt Briefe und Berichte aus der Zeit ein, also Quellen. Weil er auch den gemeinen Mann zu Wort kommen lässt, Raum lässt, das wir auch von deren Leben im Frieden erfahren, gewinnt alles eine Eindringlichkeit, die bei historischen Sachbüchern selten ist. Ausgewogen kommen die dänische und die preußische Sicht zu Wort. Buk-Svienty beschreibt das klar in einer erfreulich guten Sprache.  Deshalb ist es schön, dass dieses Buch nun auch auf Deutsch vorliegt. Es öffnet einen neuen Blick von Schleswig-Holstein aus auf das Gemetzel vom 18. April 1864. Es beleuchtet auch die Rolle Preußens aus einer neuen Perspektive. Und es verdient über den Norden hinaus Interesse, weil dieses gute Buch über einen Krieg ein Buch gegen den Krieg ist.

Werner Junge -ju- 1211

Die Daten zum Buch: Tom Buk-Svienty: Schlachtbank Düppel – Geschichte einer Schlacht, 360 Seiten, Leinen gebunden, 2011, Berlin, Osburg Verlag, ISBN 978-3-94031-72-2, 26,90 Euro

 

witt_vosgerauAnschaulich – spannend – verständlich
Geschichte Schleswig-Holsteins
Herausgegeben von Jann Markus Witt und Heiko Vosgerau

Als 2002 noch im Hamburger Convent-Verlag die von Jann Markus Witt und Heiko Vosgerau herausgegebene Buch „Schleswig-Holstein von den Anfängen bis zur Gegenwart – eine Landesgeschichte“ herauskam, haben wir es als „Übersegler“ beschrieben. „Übersegler“ nennen Seeleute jene Karten, die ihnen einen Überblick über ein Meer oder ein großes Revier geben. Und ein spannender Überblick war mit diesem Buch gelungen. Es ist quasi ein Einspruch gegen die These, die Geschichte Schleswigs und Holsteins sei komplizierter als sie sein dürfte. Das kam damals gut an. Das Buch war bald ausverkauft und den Convent-Verlag gibt es leider nicht mehr. Boyens in Heide hat diese Lücke jetzt gefüllt. Der Westholsteinische Verlag legt das schon bewährte Buch in einer überarbeiteten und fast bis heute aktualisierten Form vor. Damit darf es als aktueller Überblick über die Landesgeschichte gelten. Jann Markus Witt und Heiko Vosgerau haben zudem noch mal Hand angelegt, nicht nur das Geschehen seit 2002 nachgepflegt, sondern auch die ohnehin schon ungewöhnlich gut lesbaren und klaren Texte noch mal überarbeitet. Zudem ist Farbe in das Buch eingezogen. Es ist von ehemals 436 Seiten trotz Erweiterungen auf 372 Seiten geschrumpft, weil Boyens vom Roman- auf ein Mittelformat von 21.5 mal 27.5 Zentimeter gewechselt ist. Die altbackene Unterzeile „Schleswig-Holstein von den Anfängen bis zu Gegenwart“ wurde zu „anschaulich – spannend – verständlich“. Das trifft zwar ziemlich genau, was das Buch bietet, erscheint aber zumindest dem Landeshistoriker als etwas grell. Der hat zudem mit dem großen Format Probleme, die das Buch im ohnehin ausgelasteten Bücherbord zu einem „Querlieger“ machen, weil es senkrecht nicht neben die Standardwerke passt. Das ändert nichts an der Qualität des Buches. Gegliedert in sieben Kapitel mit je einem Exkurs, aufgelockert durch Kästen, etwa zum Wikingerschiff oder zur Zwangsarbeit, unternehmen die elf Autoren einen Gang durch die Geschichte des Landes, den der Leser gut mitgehen kann. Damit wird das Ziel erreicht, einen Überblick zu geben. Der kann an den Stellen der Landesgeschichte nur die Oberfläche zeigen, wo die historischen Zeitläufe entgegen der beabsichtigten Botschaft dann doch komplizierter sind, als sie sein dürften. Jann Markus Witt und Heiko Vosgerau erschließen die Geschichte Schleswig-Holsteins übersichtlich, spannend und äußerst lesbar. Ihr Buch ist ein detail- und kenntnisreicher Übersegler, der es erlaubt, in der Geschichte des Landes einen Kurs zu finden. Man darf dem Boyens-Verlag dankbar sein, dass nun der ausführliche Überblick über die Geschichte des Landes zusammengetragen von Heiko Vosgerau und Jann Markus Witt aktualisiert und überarbeitet wieder vorliegt.

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Die Daten zum Buch: Jann Markus Witt und Heiko Vosgerau (Herausgeber), „Geschichte Schleswig-Holsteins – anschaulich – spannend – verständlich“, 372 Seiten, 300 Abbildungen und Farbtafeln, kartoniert Mittelformat, 2011, Heide, Boyens Buchverlag, ISBN 978-3-8042-1313-5, Preis 29,95 EURO

 

lena_cordesDie Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte 1918 bis1945
Regionalgeschichte im Zeichen politischen Wandels
von Lena Cordes

Der Titel ist sperrig wie es sich wohl (leider) für eine Staatsexamensarbeit gehört. Das Thema von Lena Cordes ist hoch spannend. Zum 175-jährigen Jubiläum der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte“ (GSHG) 2008 war die Lücke erneut deutlich geworden: Wie ist die GSHG durch die NS-Zeit gekommen? Hat sie sich durch die 13 Jahre laviert, sich mit dem System arrangiert oder es gar freudig protegiert? Es sind im Kern zwei Dinge, die eine eindeutige Antwort bisher verhindert haben: Einmal ist es der Umstand, dass es nach Ende des Zweiten Weltkrieges keinen klaren Bruch gegeben hat. Volquart Pauls war von 1921 bis 1951 Schriftführer und damit bestimmende Person der GSHG. Von seinem umfangreichen Werk ist vor allem überliefert, was gedruckt wurde. Das andere Problem: Der Schriftverkehr der GSHG verbrannte 1944 nach der einem Bombenangriff auf das Kieler Schloss. So sind keine internen Akten erhalten, die Aufschluss darüber geben, ob der seit 1933 nach dem „Führerprinzip“ und durchweg der NSDAP nahe oder verpflichtete Vorstand Einfluss auf Pauls genommen hat. Auch lässt sich nicht mehr durch Quellen erschließen, wie und ob Pauls den Vorstand gelenkt hat oder umgekehrt. Bei dieser schlechten und bekannten Quellenlage ist es erfreulich, dass Professor Christoph Cornelißen an der CAU die Autorin ermutigt hat, sich dieser Frage anzunehmen. Lena Cordes hat das sehr gründlich getan. Wie schon Bernd Kreklau vor ihr, beleuchtet sie die Rolle Paul von Hedemann-Heespen aus Deutsch-Nienhof. Der Landadelige rettete die GSHG und die Kontinuität ihrer Schriften als amtierender Schriftführer und mit dem Einsatz seines Privatvermögens über den Ersten Weltkrieg. Er nutzte dieses Amt auch als Forum für seine preußenkritischen Ansichten. Das führte schließlich zum Bruch Hedemann-Heespens mit der Gesellschaft. In den eigenen Schriften der Gesellschaft wurde dieser Streit hinter einigen Allgemeinplätzen und Lob für sein Engagement versteckt. Spannend in Bezug auf die Eingangsfrage wird die Arbeit von Lena Cordes mit dem 100-jährigen Jubiläum der GSHG, das kurz nach der „Machtübernahme“ 1933 begangen wurde. Schnell wurde das „Führerprinzip“ übernommen und der überzeugte Nationalsozialist Jens Jessen Vorsitzender. Der Leiter des Institutes für Weltwirtschaft in Kiel war aber unbequem und wurde schon nach einem Jahr von den Nazis abgelöst. Trotz Mitgliederbrief im Sinne der „neuen Zeit“ und Aufbruchsreden, änderten sich die Publikationen der GSHG kaum. Ein Zugeständnis an die NS-Ideologie scheinen insgesamt fünf von 1941 an publizierte Beiträge zur Judenfrage in Schleswig-Holstein, die zum Teil das Denken und Vokabular der Nationalsozialisten benutzen. Ansonsten ist belegt, dass Pauls erfolgreich die staatlichen Zuschüsse für die Gesellschaft und deren Einfluss in der Landesgeschichte sicherte. Dass die Gesellschaft trotzdem scharf beobachtet wurde, zeigt der Stopp des Drucks des Buches „Die wendischen Ortsnamen Ostholsteins, Lübecks, Lauenburgs und Mecklenburgs“ durch die GeStaPo. Diesen Vorgang würdigt die Autorin nicht in ihrer Arbeit. Christoph Cornelißen lobt in seinem Vorwort Recherche, Argumentation, klare Thesen sowie den Mut zu klaren Urteilen der Autorin. Dies mag alles stimmen, auch wenn Thesen und Urteile nur dann den Wert der Spekulation überwinden, wenn sie mit Quellen unterlegt sind. Bei so viel Lob hätte die Arbeit dann jedoch auch ein sorgfältigeres Lektorat verdient. Am Ende der neuen Arbeit stehen die alten Fragen. Klar ist, Volquart Pauls hat die GSHG erfolgreich durch die NS-Zeit laviert, sicher ist auch, er hat sich mit den Machthabern auch ein Stück weit arrangiert, um den Bestand der Gesellschaft zu sichern. Ob er jedoch kooperiert oder gar kollaboriert hat, bleibt weiter offen.

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Die Angaben zum Buch: Lena Cordes, Regionalgeschichte im Zeichen politischen Wandels – Die Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte zwischen 1918 und 1945, Paperback, 219 Seiten, erschienen in der Reihe Kieler Werkstücke, Reihe H Beiträge zur Neueren und Neusten Geschichte 1, 2011, Frankfurt am Main, Verlag Peter Lang, ISBN 978-3-631-61556-0, 18,90 Euro

 

seekistenVielzweckmöbel der Seeleute
Seekisten
von Peter Barrot

Knapp einen Meter lang, hoch und tief wie ein Stuhl, konisch nach oben verjüngt, zusammengefügt aus soliden Brettern, mobil durch Kufen, transportier- und sicherbar durch Handgriffe haben Seekisten fast unverändert wahrscheinlich die gesamte Zeit der Handelsschifffahrt unter Segeln begleitet. Sie waren das Universalmöbel der Seeleute vor dem Mast. Durch Zufall hat der Diplomkaufmann Peter Barrot 1997 eine Seekiste erworben. Er hat das Stück aus Kampferholz nicht nur restauriert, sondern wollte auch mehr über die Kiste wissen. Dabei fand er schnell heraus: dieses Universalmöbel der Seeleute war in der ansonsten umfänglichen maritimen Geschichte schlicht vergessen oder übersehen worden. Barrot machte sich daran, die Lücken zu schließen. Er forschte nach Seekisten, deren Bau, versuchte die Geschichte ihrer Besitzer zu ergründen. Was er seit 1997 zusammengetragen hat, macht ihn inzwischen zu einem gefragten Experten für die Geschichte der Seekisten. Die Ergebnisse hat er jetzt in einem Buch zusammengefasst. Er nennt es einen Beitrag zur Sozialgeschichte der Seefahrt. Und das ist er. Denn kein anderer Gegenstand erzählt so viel über das Leben vor dem Mast, als das einzig private der Seeleute ihre Seekiste. Es war ihre  Kiste für Klamotten, den wenige privaten Besitz, gleichzeitig Sitzmöbel, Werkbank und Stolz. Ein Universalmöbel in den karg mit Kojen und Tischen ausgestatteten Mannschaftslogis, jede Kiste ein Einzelstück und doch bis in die Baudetails identisch, egal ob sie einem Seemann aus Marstal, Arnis oder New York gehörte. All das hat Peter Barrot ausfürlich und liebevoll zusammengestellt in seinem Buch „Seekisten“.

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Die Daten zum Buch: Peter Barrot: „Seekisten – Vielzweckmöbel der Seeleute“, 208 Seiten, zahlreiche Abbildungen, gebunden, kartonierter Umschlag, 2011, Bremen, Verlag H.M.Hauschild GmbH, ISBN  978-3-89757-483-0. Preis 34 Euro

 

Geschichte_auf_den_Punkt_gebrachtDie wichtigsten Daten zur Landesgeschichte
Schleswig-Holstein – Geschichte auf den Punkt gebracht
Von Robert Bohn und Uwe Danker

Wann war noch mal … ? Immer wieder stellt sich historisch Interessierten diese Frage. Zumindest für die Landesgeschichte liegt nun ein Taschenbuch vor, das diese Frage schnell und zuverlässig beantwortet. Robert Bohn und Uwe Danker haben auf 176 Taschenbuchseiten die „Geschichte auf den Punkt gebracht“. Mit kurzen Texten, Bildern, Grafiken, Tabellen listet das Buch von den Anfängen bis in die jüngste Gegenwart kurz und prägnant erklärt eine Zeittafel. Zur besseren Übersichtlichkeit ist sie in Chronik, Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und Biographie rubriziert. Das ist einerseits hilfreich sorgt aber auch dafür, dass öfter mal geblättert werden muss. Die Aufhebung der Leibeigenschaft 1805 ist so der Rubrik „Gesellschaft“ zugeordnet. Das ist sicher richtig, entschieden wurde es politisch, hätte also auch dort geführt werden können. Von diesen Beispielen lassen sich einige finden, besonders die Abgrenzung zwischen „Politik“ und „Chronik“ ist problematisch. Insgesamt ist das graphisch sehr schöne Taschenbuch gut gemacht und ein hilfreiches Nachschlagewerk. Es kann helfen, sich zu orientieren und hoffentlich anregen, sich intensiver mit der spannenden Geschichte des Landes zu beschäftigen.

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Die Daten zum Buch: Robert Bohn und Uwe Danker, Schleswig-Holstein – Geschichte auf den Punkt gebracht, 176 Seiten, Taschenbuch, zahlreiche Abbildungen, 2008, Neumünster, Wachholtz-Verlag, ISBN 3 529 05550 6, 9,90 Euro

 

SHLEXneuLandesgeschichte von A-Z
„Das neue Schleswig-Holstein Lexikon“
Herausgegeben von Klaus-Joachim Lorenzen Schmidt und Ortwin Pelc

Vor sechs Jahren war das „Schleswig-Holstein Lexikon“ als historisches Nachschlagewerk etwas sehr neues und nicht unumstritten. Landesgeschichte Stichwortweise, das zerstöre den Blick auf das Ganze, den großen Zusammenhang, war die häufigste Kritik. Die Leser stimmten anders ab. Bald war die erste Auflage vergriffen. Nun haben Klaus-Joachim Lorenzen Schmidt und Ortwin Pelc „Das neue Schleswig-Holstein Lexikon“ vorgelegt. Neu ist nicht nur der goldene Umschlag, neu sind auch, der um gut 300 Stichwörter erweiterte Umfang. 1.611 sind es nun von A wie Regierungspräsident Waldemar Abegg bis zur Zwangsarbeit. Erweitert wurde das Buch vor allem um Kurzbiographien. Durch die Verweise wird die simple lexikalische Frage, was wohl „Ortstein“ ist, schnell zu einem Streifzug durch die Landesgeschichte. Die Fragen, die man an sie stellen kann, werden fast alle beantwortet. Das verständlich mit hoher historischer Kompetenz auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft. Das Lexikon gibt Antworten und macht gleichzeitig Lust, sich intensiver mit bestimmten Themen auseinanderzusetzen. Auch wenn man sich gewünscht hätte, einige kleine Kinken der ersten Ausgabe wären nachhaltiger ausgeräumt worden, bleibt das Lexikon rundherum empfehlenswert. „Das neue Schleswig-Holstein Lexikon“ ist für alle, die sich für die Geschichte des Landes interessieren, zugleich ein Schatz und eine Fundgrube … und allein das rechtfertigt den goldenen Umschlag.

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Die Daten zum Buch: Klaus-Joachim Lorenzen Schmidt, Ortwin Pelc (Hrsg.) ,“Das neue Schleswig-Holstein Lexikon“, Leinen gebunden, 648 Seiten, über 700 Abbildungen, 2006, Neumünster, Wachholtz-Verlag, ISBN 3-529-02441-4, 49,80 EURO

 

SchiffArchäologische Expeditionen zum Meer
Es war einmal ein Schiff
Claus von Carnap-Bornheim und Christian Radtke (Herausgeber)

Für die 14 Wissenschaftler war es eine Qual. Sie hatten den Auftrag, ihre Arbeiten unter und am Wasser als Geschichten zu erzählen. Einfach, verständlich und ohne Anmerkungen mussten sie schreiben. Sie haben sich in die Pflicht nehmen lassen. Die Mühe hat gelohnt. Der Leser kann – auch im Wortsinn – eintauchen in einen aufregenden Bereich der Archäologie. Er erfährt das Wasser konserviert, was Erde zersetzt, erlebt jedoch gleichzeitig mit, wie viel schwerer es ist, unterseeische Schätze nach den strengen Regeln der Archäologie zu heben. Und er kann erfahren, wie die Wissenschaftler ihre Funde zum sprechen bringen, aus einem Puzzle der fehlenden Teile die Vergangenheit rekonstruieren. Die beiden Herausgeber haben ihre Autoren den Bogen weit spannen lassen. Er beginnt mit den Jägern und Fischern der steinzeitlichen Ertebøllerkultur und endet mit der Suche nach den Gebeinen des Entdeckers Vitus Bering. Neues erfährt der Leser zudem über die Vasa, die Archäologie im Gezeitenwechsel des Wattenmeeres, den roten Flint von Helgoland und vieles mehr. Schön illustriert, einheitlich kartographisiert sowie ungewohnt liebevoll umbrochen und gedruckt hat der mareBuchverlag ein gleichsam schönes und spannendes Buch geschaffen. Es ist ein eindrucksvolles Plädoyer für die Meeresarchäologie.

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Die Daten zum Buch: Claus von Carnap-Bornheim, Christian Radkte (Hrsg.), „Es war einmal ein Schiff – Archäologische Expeditionen zum Meer“, mit einem Vorwort von Claus Missfeldt, 360 Seiten, 100 farbige Abbildungen und Karten, Leinen gebunden, 2007, Hamburg, www.marebuchverlag.de, ISBN 978-3-86648-053-7, 34,90 EURO

 

1950erAls alles wieder begann
Schleswig-Holstein in den 50er Jahren
Frank Trende

„So viel Aufbruch war nie“ – wer das neue Buch aus der kleinen Serie des Boyens Verlages liest, muss auf dieses Zitat kommen. Frank Trende hat liebevoll und umfassend die Geschichte der 1950er Jahre zusammengetragen. Vom Petticoat über den Wiederaufbau Helgolands, der Infrastrukturrevolution bis hin zu James Krüss und den Mädels vom Immenhof entwirft er ein komprimiertes Bild des Aufbruchs nach den dunklen Jahren der Nazizeit. Kapitel wie die Ent- und die Renazifizierung spart er dabei nicht aus. Um diesen Bogen auf gut 100 Seiten zu schlagen, verdichten sich in den landespolitischen Abschnitten leider die Zahlen etwas stark. Auf der Strecke bleibt so einiges vom Ringen um die Grenze im Norden, von den starken Spannungen zwischen den alteingesessenen Schleswig-Holsteinern und den Flüchtlingen. Trotzdem, es ist eine schöne und lesenswerte Gesamtschau einer Zeit, in der sich so viel wandelte wie seit dem Aufbruch in die Moderne nicht mehr. Das Buch ist zudem historische Lebenshilfe, denn Frank Trende erklärt die Wurzeln des modernen Schleswig-Holstein, wie wir es heute kennen.

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Die Daten zum Buch: Frank Trende „Schleswig-Holstein in den 50er Jahren“, betreut von Professor Dieter Lohmeier, 112 Seiten, Leinen gebunden, zahlreiche Abbildungen, Heide, 2006, Boyens Buchverlag, www.buecher-von-boyens.de, ISBN 3-8042-1196-8, 9,90 EURO

 

buch-seeraeuberDie Geschichte zu den Legenden
Seeräuber auf Nord- und Ostsee
Ortwin Pelc

Das Piratenschiff gehört zu den bestverkauften Artikeln von Playmobil. Wie bei den Indianern Amerikas ranken sich Sagen und Legenden um Kaperer, Freibeuter und Seeräuber. Diese Mythen aufzugreifen, zu erklären, und sie den historisch belegbaren Fakten gegenüber zu stellen, ist die Idee des Buchs von Ortwin Pelc. „Seeräuber auf Nord- und Ostsee“ tut das. Es spannt den Bogen von den Wikingern bis zu den Überfällen von Barbaresken im Mittelmeer auf Kauffahrer bis ins 19. Jahrhundert. So erfährt der Leser, das die Wikinger weniger See- als vielmehr „Landräuber“ waren. Oder: wie Herrscher Freibriefe für Kaperer ausstellten, um ihre Interessen auf See durchzusetzen und wie fließend die Grenzen zwischen Kaperei und Piraterie waren. Das Buch erzählt auch, wie die Legenden etwa die um Störtebeker entstanden sind. Ortwin Pelc hat all das zusammen getragen. Er zeigt, wie spannend Geschichte sein kann und passt damit hervorragend in die kleine Serie der jährlich von Boyens herausgegebenen Bände zur Landesgeschichte.

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Die Daten zum Buch: Ortwin Pelc, „Seeräuber auf Nord- und Ostsee“, 96 Seiten, 47 Abbildungen, Leinen gebunden mit Schutzumschlag, 2005, Heide, erschienen im Boyens Buchverlag, www.buecher-von-boyens.de, ISBN 3-8042-1170-4, 9,90 EURO

 

trendeHistorische Orte erzählen Schleswig-Holsteins Geschichte
Frank Trende

Mit dem Buch von Frank Trende ein Reiseführer in die Geschichte Schleswig-Holsteins vor. Er führt an 50 Orte. Sie sind chronologisch geordnet. Die Rundreise startet deshalb im Dithmarscher Alberdorf mit seinen zahlreichen Zeugnissen der Steinzeit und endet in Norderstedt, das erst in den 1960er Jahren vor den Toren Hamburgs wächst. Die Stationen sind mit Bedacht gewählt und vermitteln gemeinsam einen Abriß der Landesgeschichte, ihrer Wendepunkte und Spezialitäten. Flensburg und Kiel tauchen so mehrmals auf. Kiel wird so als Residenzstadt, als Hafenstadt und als historischer Schauplatz des Matrosenaufstandes sowie als Landeshauptstadt vorgestellt. Aktuelle und historische Aufnahmen ergänzen sich jeweils und machen neugierig wie auch die sachkundigen und gut lesbaren Text von Frank Trende. Das Buch „Historische Orte erzählen Schleswig-Holsteins Geschichte“ ist bestens als Kompaß durch die zu recht als nicht einfach aber immer spannend klassifizierte Landesgeschichte geeignet.

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Die Daten zum Buch: Frank Trende, Historische Orte erzählen Schleswig-Holsteins Geschichte, 116 Seiten, 186 Farfotografien, Leinen gebunden, Heide, Boyens Buchverlag, www.buecher-von-boyens.de, ISBN 3-8042-1151-8, 19,90 EURO

 

lange2Neuauflage des Standardwerks:
Geschichte Schleswig-Holsteins – Von den Anfängen bis zur Gegenwart
herausgegeben von Professor Dr. Ulrich Lange

Als Ulrich Lange 1996 die erste Auflage der „Geschichte Schleswig-Holsteins – Von den Anfängen bis zur Gegenwart“ vorlegte, schloß er eine Lücke: Trotz eines Umfangs von über 700 Seiten war es die erste kompakte Landesgeschichte in einem Band, die konsequent einen strukturgeschichtlichen Ansatz verfolgt. Zusammen mit seinen 13 Autoren legte er eine Geschichte des Landes vor, die durchgängig versucht, ein Gesamtbild des Lebens im Lande zwischen den Meeren zu zeichnen. Das Buch wurde schnell und zu Recht als „Standardwerk“ gelobt. Deshalb entstand eine Lücke, als „Der Lange“ in seinem ferrari-rotem Einband vor zwei Jahren vergriffen war. Nun kehrt er – silbergrau in seiner zweiten Auflagen – in die Regale zurück. Er ist durchgesehen und wesentlich erweitert. Mit rund 110 neuen Seiten löst der Herausgeber als Autor ein Versprechen ein, das er in der ersten Ausgabe nur in Ansätzen eingelöst hatte: Der neue Lange führt den Leser nun wirklich bis in die Gegenwart. Es ist die Geschichte des Bundeslandes Schleswig-Holstein, das einen Umbruch erlebt, der die Lebensgrundlagen der Menschen total verändert. Lange beschreibt diesen sich in der Zeit von 1955 bis Anfang der 1970er Jahre konzentrierenden Prozeß treffend als „Urbanisierung in der Fläche“. Es ist die Zeit, in der Straßen, Strom, Trinkwasser das letzte Dorf erreichen, Schleswig-Holstein endgültig aufhörte, ein reines Agrarland zu sein – ohne jedoch den Anschluß an die wirtschaftlichen Strukturen südlich der Elbe zu schaffen. Dieser Umbruch – obwohl für viele noch erlebte Geschichte – ist eigenartiger Weise den meisten nicht bewußt. Anders dagegen die ebenfalls radikale Art, in der sich das Leben der Menschen vor allem im Zuge der Industrialisierung im 19. Jahrhundert änderte. Das reizt zum Vergleich, und der ist mit der neuen Ausgabe besser als bisher möglich. Die Volkskundler Silke Göttsch-Elten und Nils Hansen haben paßgenau dazu ein Kapitel zu den „Lebenswelten“vom endenden 18. bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts eingefügt. Elementare Bereiche des Alltags wie Wohnen, Freizeit, Nahrung und Kleidung und ihre Veränderung sind Gegenstand dieses neuen Abschnitts. Abgerundet wird auch die zweite Auflage durch sechs Exkurse zur Kunstgeschichte von der Backsteingotik bis zum Expressionismus. Die zweite Auflage der „Geschichte Schleswig-Holsteins – von den Anfängen bis zur Gegenwart, herausgegeben von Ulrich Lange, ist damit ein neues Buch, das landeshistorisch Interessierte stets in Griffnähe haben sollten.

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Die Daten zum Buch: Ulrich Lange (Hrsg.), Geschichte Schleswig-Holsteins – Von den Anfängen bis zur Gegenwart“, 2., erweiterte Auflage, 814 Seiten, Leinen gebunden, Neumünster 2003, Wachholtz Verlag Neumünster, Preis 48 EURO, ISBN 3-529-02440-6

 

fernenaeheSchleswig-Holstein und Rußland
Ferne Nähe – Die Beziehungen zwischen Schleswig-Holstein und Russland in Mittelalter und Neuzeit
Eckhard Hübner

Das Jahr 1773 und der Ort Zarskoje Selo bei Petersburg kommen einem in den Sinn, wenn man über Rußland und Schleswig-Holstein nachdenkt. Doch das Aufgehen des Gottorfer Reststaates im dänischen Gesamtstaat ist fast das Ende langer und enger Bezüge zwischen dem, was wir heute Schleswig-Holstein nennen, und Rußland. Eckhard Hübner ist den Beziehungen unter der schönen Titel „Ferne Nähe“ nachgegangen. Die Geschichte beginnt mit ersten Nachrichten aus dem noch von Wikingern dominierten Schleswig. Organisiert wird der Handel mit Nowgorod schließlich von der Hanse. Als der endet und die Neuzeit beginnt, gewinnt Rußland zunehmend an Gewicht und Selbstbewußtsein. Immer enger werden die Verbindungen zwischen dem Zarenhaus und Schleswig-Holstein Gottorf. Am Ende ist es der russische Teil der Familie, der dem Restherzogtum Gottorf aus der Not hilft und schließlich durch den Vertrag von Zarskoje Selo, die „Ruhe im Norden“ sichert. Der Band 54 der Kleinen-Schleswig-Holstein-Bücher aus dem Hause Boyens von Eckhard Hübner, lektoriert von Professor Dieter Lohmeier, beschreibt gewohnt kurz, gewohnt fundiert und klug illustriert die „Ferne Nähe“ zwischen Schleswig-Holstein und Rußland.

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Die Angaben zum Buch: Eckhard Hübner, Ferne Nähe – Die Beziehungen zwischen Schleswig-Holstein und Russland im Mittelalter und Neuzeit, 96 Seiten, Leinen gebunden, zahlreiche – meist farbige – Abbildungen, 2003, Heide, Verlag Boyens & Co, www.buecher-von-boyens.de, ISBN 3-8042-1123-1, 9,90 EURO

 

kohlgeschichtenKOHLgeschichte(n)
Aus dem Anbaugebiet hinter Ditmarschens Deich
Klaus Gille

Kohl ist ein Gemüse, also etwas, das eigentlich mit Gartenbau oder höchstens mit Landwirtschaft zu tun hat. Trotzdem erzählt das Buch „KOHLgeschichte(n)“ von Klaus Gille vor allem Industriegeschichte. Der Aufstieg Dithmarschens zum größten Kohlanbaugebiet Deutschlands ist Folge der Gründerzeit. Sie schuf in den expandierenden Städten erst den Massenbedarf an preiswerten Lebensmitteln, der sich Dank der Eisenbahn auch von abgelegenen Standorten befriedigen ließ. Zudem bedurfte es neben natürlichen Voraussetzungen auch einer optimistischen, unternehmerischen um in das bis heute hochspekulative Kohlgeschäft einzusteigen. Klaus Gille hat das gründlich erforscht, den Blick über den Dithmarscher Tellerrand nicht vergessen und eine fundierte Kohlgeschichte geschrieben. Sie ist so spannend und unterhaltend, daß der Leser sich ab und an daran erinnern muß, in einem Geschichtsbuch zu lesen.

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Die Angaben zum Buch: Klaus Gille, KOHLgeschichte(n) – Aus dem Anbaugebiet hinter Dithmarschens Deich, 180 Seiten, kartoniert, zahlreiche Abbildungen, Heide, 1991, Boyens & Co, www.buecher-von-boyens.de, ISBN 3-8042-0563-1, 9.50 EURO

 

lit_hoeltge8Geschichte nicht nur der „Elektrischen“
Straßen- und Stadtbahnen in Deutschland. Schleswig-Holstein
von Dieter Höltge

Schlicht “Straßen- und Stadtbahnen in Deutschland” heißt die Serie des EK-Verlags. Band 8 ist Schleswig-Holstein gewidmet. Unterstützt von Straßenbahnfans im Lande hat Dieter Höltge eine fundierte und ausführliche Geschichte der Tram zusammengestellt. Strecken, Waggons, Linien stehen im Mittelpunkt. Beschrieben sind die vier echten Straßenbahnen in den großen Städten, der Sonderfall Uetersen und die zwei (vor allem aus Kostengründen) zeitweilig als Straßenbahnen betriebenen Inselbahnen. Von den Plänen für die ersten Pferdebahnen 1881 bis zum Aus der letzten Elektrischen, der Linie 4 in Kiel 1985, spannt sich der Bogen. Präzise geschrieben und gut illustriert, vermittelt Höltge Technikgeschichte. Bei diesem Konzept bleibt der Mensch leider aber konsequent auf der Strecke. Die Fragen, was Straßenbahnen für die Städte bedeuteten, wie sie das Leben der Menschen veränderten, bleiben offen. Also: Ein schönes Buch von Dieter Höltge für alle, die sich für die Technikgeschichte der Straßenbahnen in Schleswig-Holstein interessieren.

PS: Einen Mangel teilt das Buch des EK-Verlages mit vielen anderen Spezialbüchern: Es scheitert bei dem Versuch, kurz und knapp in die Landesgeschichte einzuführen. Erneut ist zusammengeschrieben worden, was so schon lange nicht mehr stimmt.

Sven Bracke (0304)

Die Angaben zum Buch: Dieter Höltge, Straßen- und Stadtbahnen in Deutschland, Band 8: Schleswig-Holstein, Freiburg 2002, EK-Verlag GmbH; ISBN 3-88255-339-1, 35 EURO

 

lauenburg_buchDas dritte Elbherzogtum
Herzogtum Lauenburg – Das Land und seine Geschichte
Ein Handbuch herausgegeben von Eckardt Opitz

Als einziger deutscher Landkreis führt Lauenburg bis auf den heutigen Tag den Zusatz „Herzogtum“ im Namen. Redet man nördlich der Elbe jedoch von den Herzogtümern, dann sind damit Schleswig und Holstein gemeint. Aus deren Perspektive gehörte das dritte „Elbherzogtum“ nicht dazu, war mehr Übergang nach Mecklenburg als Teil Nordelbiens. Das war für Eckardt Opitz der Anlaß, zusammen mit einem Dutzend anderer Autoren ein – wie er sagt – „Handbuch“ zur Geschichte des kleinen Herzogtums herauszugeben. Seit es Ende des 12. Jahrhunderts zum Haus der Askanier kam, entwickelte sich Lauenburg – nicht zuletzt durch die Schwäche der Askanier – zu einem in ungewöhnlich hohen Maße von den Ständen dominierten Kleinstaat. Diesen Weg zeichnet das Buch nach, macht deutlich, wie stark diese Eigenverwaltung noch war, als 1815 die dänische Zeit begann. Auch in den Zeiten des Gesamtstaates blieb Lauenburg eigenständig, sogar noch, als es 1865 an Preußen fiel. Erst 1876 kam es gegen seinen Willen zur Provinz Schleswig-Holstein. Zu den Eigenarten Lauenburgs gehört es, daß es nie eine Hauptstadt hatte. Deshalb sind die 13 historischen Kapitel und drei kunsthistorischen Exkursionen noch um fünf Städteportraits ergänzt. Fast 200 Seiten und damit ein Viertel des Umfangs machen die in der Dokumentation zusammengefaßten Quellen aus. Das mag für Opitz der Grund gewesen sein, von einen „Handbuch“ zu sprechen. Es bietet die Chance, sich umfassend und profund einen spannenden Teil nordelbischer Geschichte zu erschließen, der gemeinhin vergessen wird, weil die Landesgeschichte bei den Herzogtümern meist nur bis zwei und selten bis drei zählt.

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Die Daten zum Buch: Eckhardt Opitz (Herausgeber), Herzogtum Lauenburg – Das Land und seine Geschichte, 831 Seiten, kartonierter Umschlag, 17 x 24 cm, 2003, Neumünster, Wachholtz Verlag, ISBN 3-529-02060-5, 48 Euro

 

histatlas2Historischer Atlas Schleswig-Holstein 1867 bis 1945
Herausgegeben von Ingwer E. Momsen, Eckart Dege und Ulrich Lange

1867 eint Schleswig-Holstein erstmals ein Bindestrich. Die beiden Herzogtümer werden zu einer Provinz Preußens. Die wenig geliebten neuen Herren beginnen, das in Verwaltung und Rechtsprechung rückständige Land in ein modernes Staatswesen umzubauen. Nach den Wirren der Erhebung und des deutsch-dänischen Krieges beginnt auch mit der Industrialisierung ein Umbruch, der Stadt und Land in einem bisher nicht vorstellbaren Tempo erfaßt. In die „Preußenzeit“ bis 1946 fallen auch zwei Weltkriege, die Weimarer Republik mit ihren Krisen sowie der im Norden ungewöhnlich frühe Aufstieg und der tiefe Fall des NS-Regimes.

Der Band II des Historischen Atlas macht die Dynamik dieser aufregenden Epoche mit genauen Texten, anschaulichen Graphiken und detailreichen Themenkarten nachvollziehbar. In mehrjähriger Detailarbeit hat ein Team von Historikern und Geographen Millionen von Daten in historisches Grundwissen verwandelt. Mit dem Band II wird ein Projekt fortgesetzt, das erstmals in Deutschland für ein historisches Atlaswerk digitale Verfahren einsetzt. Die dadurch erreichte Präzision erlaubt es, Fakten in ungewöhnlicher Dichte in Karten zu präsentieren. Auch wenn es dadurch notwendig wird, die Legenden und Tafeln genau zu studieren, lohnt es, denn der Atlas schafft es, nicht nur Überblicke zu vermitteln, er ermöglicht auch Einblicke in die Landesentwicklung bis in die lokale Ebene hinein. Das Atlasteam bereitet nun den dritten Band vor, der die Landesgeschichte vor 1867 bis zu den Anfängen darstellen soll.

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Die Daten zum Buch: Ingwer E. Momsen, Eckart Dege, Ulrich Lange (Hrsg.), Historischer Atlas Schleswig Holstein 1867 bis 1945, 25,7 x 33.1 cm, 207 Seiten, Leinen gebunden, 2001, Neumünster, Wachholtz Verlag, Preis 35 EURO

 

atlasdas Land im Überblick:
Historischer Atlas – Schleswig-Holstein seit 1945

Von der Zeit der britischen Besatzung, dem explosionsartigen Anwachsen der Bevölkerung durch Flüchtlinge und Vertriebene bis hin zur Kreisreform und dem Wandel der Strukturen Schleswig-Holsteins in Arbeit, Leben und Wirtschaften reichen die Themen, die auf 130 Karten- und Graphikseiten sowie 80 Text- und Tabellenseiten minutiös und oft gemeindescharf dargestellt werden. Ziel des in dieser Form bisher einmaligen Projektes der GSHG ist es, umfassend alle Lebensbereiche zu beschreiben. Grundlage war die digitalisierte Erfassung der kartographischen wie auch statistischen Grunddaten. Die Flut der Einzelinformationen wird graphisch auf die wichtigen Grundaussagen reduziert und durch die Texte in den historischen Kontext gestellt. Möglich war der Atlas nur, weil Historiker, Geographen und weitere über die Grenzen ihrer Fachbereiche zusammenarbeitet haben. Die so entstandenen Karten und Graphiken sind von hoher Präzision, jedoch keine leichte Kost. Sie erfordern, daß der Nutzer sich einsieht, sie sorgfältig über die Legenden erschließt. Doch zusammen mit den Texten ist der Atlas eine Quelle ungewöhnlicher Qualität und Aussagekraft, der im Überblick und im regionalen Detail die Geschichte Schleswig-Holsteins nach dem Zweiten Weltkrieg — im Wortsinn — anschaulich macht.

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Tipp: Mehr zum Historischen Atlas

Die Daten zum Buch: „Historischer Atlas Schleswig-Holstein seit 1945“, Herausgeber: Ulrich Lange, Ingwer E. Momsen, Eckart Dege, Hermann Achenbach, 25,7 x 33,1 cm, 212 Seiten, 130 mehrfarbige Karten, gebunden, erschienen beim Wachholtz Verlag, Neumünster, 1999, Preis 35 EURO, ISBN 3-529-02445-7

 

wittSchleswig-Holstein von den Anfängen bis zu Gegenwart
Eine Landesgeschichte
Jann Markus Witt und Heiko Vosgerau (Herausgeber)

„Übersegler“ nennen Seeleute die Karten, die ihnen einen Überblick über ein Meer oder ein großes Revier geben. Mit ihnen läßt sich kein Schiff in einen Hafen bringen, und sie helfen nur, die größten Klippen zu umschiffen. Das neue Buch aus dem Convent-Verlag ist ein Übersegler, für die Landesgeschichte. Mit 436 Seiten muß es als kompakt gelten, denn die Geschichte Schleswigs und Holstein gilt als komplizierter, als sie sein dürfte. Genau diese These zu widerlegen, sind die Herausgeber Jann Markus Witt und Heiko Vosgerau angetreten. So bleibt der altbackene Titel „Schleswig-Holstein von den Anfängen bis zu Gegenwart“ das einzig sperrige an dem Buch. Gegliedert in sieben Kapitel mit je einem Exkurs, aufgelockert durch Kästen, etwa zum Wikingerschiff oder zur Zwangsarbeit, unternehmen die elf Autoren einen flotten Gang durch die Geschichtsschreibung des Landes. Er faßt deren Stand erfreulich anschaulich zusammen. Damit wird das Ziel erreicht, einen Überblick zu geben. Der kann an den Stellen der Landesgeschichte nur die Oberfläche zeigen, wo die historischen Zeitläufe entgegen der beabsichtigten Botschaft dann doch komplizierter sind, als sie sein dürften. Jann Markus Witt und Heiko Vosgerau erschließen die Geschichte Schleswig-Holsteins übersichtlich, spannend und äußerst lesbar. Ihr Buch ist ein detail- und kenntnisreicher Übersegler, der es erlaubt, in der Geschichte des Landes einen Kurs zu finden.

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Die Daten zum Buch: Jann Markus Witt und Heiko Vosgerau, „Schleswig-Holstein von den Ursprüngen bis zur Gegenwart – Eine Landesgeschichte“, 436 Seiten, 200 Abilldungen und Farbtafeln, Leinen gebunden, 2002, Hamburg, Convent Verlag, ISBN 3-934613-39-X, Preis 29,90 EURO

 

christenjudenKirche, Christen, Juden
Als Jesus „arisch“ wurde
Annette Göhres, Stephan Linck, Joachin Liß-Walther (Herausgeber)

„Wir haben geirrt“: Dieser kurze, treffende Satz stammt aus der Erklärung der Synode der Nordelbischen Kirche vom 22. September 2001. Mit ihr versuchte die evangelisch-lutherische Kirche im Norden, ihr Verhältnis zu den Juden zu ordnen. Die Unordnung war lange vor 1933 entstanden. Doch nach der „Machtergreifung“ schien etwas zu explodieren: Pastoren in SA-Uniform, Gruppen, die zusammenfanden, sich in Grüppchen auflösten, um sich in „deutscher“ Interpretation der Bibel zu übertreffen, der Gegenstrom in der Bekennenden Kirche, die sich zwar sammelte, um die Botschaft der Schrift zu verteidigen, im Krieg jedoch zur „deutschen Schicksalsgemeinschaft“ stand und nicht nur dadurch schuldig wurde. Deutschnationale Pastoren denunzierten Amtsbrüder, deutschnationale Pastoren schützten die Denunzierten – es war ein Kirchenkampf der Gruppen, der sich nur über Einzelschicksale erklären läßt. Genau diesen Weg sind die Herausgeber und Macher der vielbeachteten Ausstellung „Kirche, Christen, Juden 1933 – 1945“ gegangen. Das von der Bremer „Edition Temmen“ verlegte Buch bietet mehr als ein Katalog. Im Gegensatz zur Ausstellung bietet es die Möglichkeit, mehr Beispiele zu erzählen. Damit wird das Mosaik größer, es zwingt den Leser, auf Distanz zu gehen. Durch diesen Abstand gewinnt das Gesamtbild an Schärfe. Es bietet damit die Chance, vom Entsetzen zum Verstehen überzugehen.

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Die Daten zum Buch: Annette Göhres, Stephan Linck, Joachim Liß-Walther, „Als Jesus ‚arisch‘ wurde“, 316 Seiten, kartonierter Einband, 190 Abbildungen, 20×14 cm, Bremen 2003, Edition Temmen, ISBN 3-86108-903-3, 15,90 EURO

 

pelcfestungenCONCORDIA DOMI – FORIS PAX
Im Schutz von Mauern und Toren
Stadtbefestigungen in Schleswig-Holstein
Ortwin Pelc

„CONCORDIA DOMI – FORIS PAX“ – drinnen Eintracht – draußen Friede – treffender als in der Inschrift des Lübecker Holstentors läßt sich die Vision der Städte des Mittelalters nicht beschreiben. Gleichwohl umgaben sie sich mit wehrhaften Mauern und Palisaden, regulierten über Stadttore, wer Zutritt hatte, und organisierten Haus für Haus die Pflichten der Bürger, um das Gemeinwesen zu verteidigen. Ortwin Pelc beschreibt dies in seinem Buch mit dem Untertitel „Die Befestigung der schleswig-holsteinischen Städte im Mittelalter und Neuzeit“. Doch die Mauern und Gräben waren nicht nur Schutz vor Feinden und ungeliebten Eindringlingen. Sie hatten mehr als eine strategische Funktion, weil sie Land und Stadt und damit verschiedene Rechtsgebiete trennten. Im 16. und 17. Jahrhundert war die Zeit der hohen Mauern jedoch vorbei, die Kanone machte sie überflüssig. Gegen diese Waffe der Neuzeit bot selbst festgefügter Backstein keinen Schutz mehr. Es begann die Zeit der Festungsbaukunst. Ortwin Pelc hat erstmals eine Zusammenschau dieses bisher für die Herzogtümer Schleswig und Holstein kaum beachteten Themas vorgelegt. Erneut bietet der Verlag Boyens & Co in seiner „kleinen Serie“ damit einen interessanten Aspekt der Landesgeschichte, den der Historiker Ortwin Pelc kenntnisreich und spannend vermittelt.

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Die Daten zum Buch: Ortwin Pelc, „Im Schutz von Mauern und Toren – Die Befestigung der schleswig-holsteinischen Städte in Mittelalter und Neuzeit“, 105 Seiten, Leinen gebunden, zahlreiche größtenteils farbige Abbildungen, Heide, 2003, Boyens & Co, www.buecher-von-boyens.de, ISBN 3-8042-1113-5, 9,90 EURO

 

kleinerstaatganzgrossDie Zeit der Gottorfer
Kleiner Staat ganz groß
Dieter Lohmeier

Mit der Landesteilung von 1544 begann die Ära der Herzöge von Schleswig-Holstein-Gottorf. Sie endete 1773 mit dem Aufgehen des verbliebenen Gottorfer Anteil im dänischen Gesamtstaat. Historisch gehört diese Phase zu den spannenden und (zugegebenermaßen) etwas komplizierteren Abschnitten der Landesgeschichte. Dieter Lohmeiner beschreibt sie in dem Buch aus der „kleinen Serie“ des Verlag Boyens. Gottorf steht für eine der längsten Friedenszeiten und eine im Norden beispiellose kulturellen Blüte, die von den Gottorfern nicht nur genutzt wurde, um Schlösser zu bauen und Friedrichstadt zu gründen. Von Gottorf startete eine seinerzeit aufsehenerregende Expedition nach Persien, die Gärten Gottorf waren berühmt und nicht nur die Gründung der Universität zu Kiel ging auf ihre Initiative zurück. Lohmeier zeichnet das profund, verständlich und durch zahlreiche Abbildungen illustriert nach. Er bietet damit mehr als den historischen Abriß der Schleswig-Holstein-Gottorfer.

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Die Daten zum Buch: Dieter Lohmeier, Kleiner Staat ganz groß – Schleswig-Holstein-Gottorf, 98 Seiten, Leinen gebunden, 1997, Heide, Boyens & Co, ISBN 3-8042-0793-6, www.buecher-von-boyens.de, 9,90 EURO

 

flaggenwechsel_helgolandFlaggenwechsel auf Helgoland
Der Kampf um einen militärischen Vorposten in der Nordsee
Michael Herms

Geologisch ist Helgoland ein Fenster in die Vorzeit, geographisch die einzige Hochseeinsel in der Deutschen Bucht, politisch war das Eiland aus Buntsandstein so unbedeutend, daß es erst 1402 vom Herzog von Schleswig beansprucht wurde. Nur als Nothafen und Unterschlupf für Piraten nahmen die Küstenbewohner die Insel wahr. Ihre friesischen Bewohner überlebten als Fischer, Vogeljäger und Lotsen. Als Anfang des 19. Jahrhundert der strategische Wert Helgolands erkannt wurde, war es mit dem kargen, jedoch friedlichem Leben vorbei. Es begann die Zeit der Flaggenwechsel. Sie stehen im Mittelpunkt des Interesses von Michael Herms. Sein Buch spannt den Bogen von den ersten Nachrichten über das „heilige Land“ bis in die Gegenwart. Es ist in diesem Sinne eine Helgoländer Geschichtsbuch. Doch Herms konzentriert sich auf die Zeitspanne, in der die Insel von den Briten als Stapelplatz für Schmuggelgut genutzt wurde, als Seebad 1890 in deutschen Besitz überging, um dann vor dem Ersten und im Zweiten Weltkrieg als deutsche Bastion zwei Mal ausgebaut, zerstört und wieder aufgebaut wurde. Mit neuem Material vor allem über die NS-Zeit und die Vorgeschichte der Rückkehr der Helgoländer auf ihre Insel 1952 ist Herms ein spannendes Buch gelungen. Gut geschrieben ist es zudem und damit uneingeschränkt lesenswert.

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Die Angaben zum Buch: Michael Herms, Flaggenwechsel auf Helgoland, 21 x 25 Zentimeter, 143 Seiten, kartoniert, zahlreiche Abbildungen, Berlin, 2002, Christoph Links Verlag, www.linksverlag.de, ISBN 3-86153-260-3, 24,90 EURO

 

postgeschichtePostgeschichte Schleswig-Holsteins
Wilhelm Sager

Nur im Volkslied war es ein Genuß, „hoch auf dem gelben Wagen“ vorn beim „Schwager“ zu sitzen. Die „Postkutschenzeit“ gehört im Land zwischen den Meeren nicht zur „guten alten Zeit“. Die Straßen waren miserabel, die Kutschen ungefedert und vollgestopft mit Paketen, zwischen denen Fahrgäste sich durchschütteln ließen. Wilhelm Sager zeichnet die Geschichte der Post von den Botenläufern in den Hansestädten über – eben – die gar nicht romantische Postkutschenzeit bis in die Gegenwart nach. Auch der Band 52 der „kleinen Schleswig-Holstein-Bücher“ bettet wieder einen spannenden Einzelaspekt zuverlässig in die Landesgeschichte ein. Und weil die Geschichte der Post im 17. Jahrhundert beginnt, bekommt der Leser ganz „nebenbei“ auch einen Einblick in die überaus komplizierten Herrschaftsstrukturen im Land zwischen den Meeren in dieser Epoche. Wilhelm Sager beschreibt die Geschichte der Post interessant und detailreich, ohne sich zu verlieren. Die „Postgeschichte Schleswig-Holsteins“ verdient deshalb das Prädikat lesenswert.

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Die Angaben zum Buch: Wilhelm Sager, Postgeschichte Schleswig-Holsteins, Format 15 X 21.5 cm, 96 Seiten, zahlreiche farbie Abbildungen, Leinen gebunden, 2002, Heide, Boyens & Co, ISBN 3-8042-1087-2, www.buecher-von-boyens.de, 9,90 Euro

 

hexenverfolgungHexenverfolgung in Schleswig-Holstein vom 16. – 18. Jahrhundert
Rolf Schulte

Legitimiert durch Gesetze, begründet von protestantischen Geistlichen, getragen vom Volk und exekutiert von der Obrigkeit, erlebten auch die Herzogtümer Schleswig und Holstein die Zeit der Hexenprozesse. Über 800 sind es, alle dokumentiert, denn im Kampf gegen die vermeintlichen Bündnisse mit dem Teufel glaubte man, etwas Gutes und Notwendiges zu tun. Rolf Schulte hat diese Dokumente des Grauens erschlossen. Er beschreibt dazu die religiösen, rechtlichen und auch wirtschaftlichen Hintergründe, die erst die Hysterie möglich machten, die zu Folter, Wasserproben und Scheiterhaufen führten. Es ist ein Buch, das auf zwei Arten spannend ist. Das Thema fesselt, gleichzeitig überzeugt die Art, wie Schulte es vermittelt. Der Autor wandelt sicher auf dem schmalen Grad, den inzwischen mehr Historiker (zum Glück) zu gehen versuchen. Das Buch ist verständlich geschrieben, erlaubt dem Leser zu verstehen, wie sich die Ungeheuerlichkeit der Hexenverfolgung ausbreitete, was passierte, und schließlich, warum sie endete. Bewußt setzt Schulte Zitate und Quellen genau dort, wo sie als Beleg und Beispiel hingehören, verzichtet im Text auf Anmerkungen und Fußnoten. Auf 115 Seiten arbeitet er kompetent und faßbar eine an sich unfaßbare Geschichte auf. Gut 60 weitere Seiten bieten neben der kompletten Liste der Hexenprozesse Fundstellen, Anmerkungen und Literatur. Das Buch ist damit ein exzellentes Beispiel dafür, daß wissenschaftlicher Anspruch und eine auch für den Laien verständliche Form sich ohne Probleme zwischen zwei Buchdeckel bringen lassen. Es dürfte (und müßte) mehr solcher Bücher geben.

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Die Daten zum Buch: Rolf Schulte, Hexenverfolgung in Schleswig-Holstein v. 16. -18. Jahrhundert, 175 Seiten, Kartoniert, zahlreiche Abbildungen, Heide, Verlag Boyens & Co, 2001, ISBN 3-8042-1016-3, www.buecher-von-boyens.de, 17 EURO

 

kulturdenkmale_flKulturdenkmale in Schleswig-Holstein 2
Stadt Flensburg
Landesamt für Denkmalpflege

1995 kam der erste Band der Denkmaltopographie für Schleswig-Holstein heraus. Er war Kiel gewidmet und bot für die weitgehend im Bombenhagel des Zweiten Weltkrieges zerstörte Stadt vor allem eine Zusammenschau der trotz allem beachtlichen Reste der Vorkriegsarchitektur. Der jetzt vorliegende zweite Band nimmt den Bestand Flensburgs auf. Im Gegensatz zur Landeshauptstadt wurde die Stadt im engen Tal der Förde seit dem Brand von 1485 nicht mehr zerstört. Das ist der wesentliche Grund, warum Flensburg ein Spiegel der Stadtentwicklung seit dem Mittelalter ist. Von den giebelständigen Fachwerkhäuschen im Oluf-Samson-Gang, den Handelshöfen über Ensembles der Gründerzeit und des Jugendstils bis hin zu bemerkenswerten Zeugnissen der Heimatschutzarchitektur bietet die Fördestadt auf engstem Raum einen ungewöhnlichen architektonischen Reichtum. Er macht heute einen wesentlichen Teil der hohen Lebensqualität der Stadt aus. Die Denkmaltopographie führt in die Geschichte der Stadt ein, macht in ihrem Kartenteil die Lage der Baudenkmäler erkennbar und stellt auf 475 Seiten jeweils die Bilder der einzelnen Häuser und baulicher Details prägnanten Texten gegenüber. Für Flensburger und solche, die die Stadt lieben, ist die von Lutz Wilde bearbeitete Denkmaltopographie eine Möglichkeit, die Stadt neu zu entdecken. Sie bietet auch Einblicke in Höfe und Stuben, die sonst verschlossen bleiben. Auch das erklärt sicher das große Interesse an dem Buch in Flensburg. Jedoch auch über die Grenzen der Stadt hinaus ist die zweite – wie die erste – Denkmaltopographie eine überaus spannende Lektüre.

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Die Daten zum Buch: Landesamt für Denkmalpflege, Lutz Wilde, „Kulturdenkmale in Schleswig-Holstein 2, Stadt Flensburg“, kartoniert, Format 21 x 29,7cm, 636 Seiten, rund 2.600 Abbildungen, Neumünster, 2001, Wachholtz Verlag, ISBN 3-529-02521-6, 43,50 EURO

 

silber_meeresReichtum gebaut auf Heringstonnen
Das Silber des Meeres
Fang und Vertrieb von Ostseehering zwischen Norwegen und Italien (12.-16. Jahrhundert)
Carsten Jahnke

Schon in der Schule lernen wir, daß der Handel mit Ostseeheringen das Fundament des Reichtums und der Macht der Hansestadt Lübeck im Mittelalter bildete. Lüneburger Salz verwandelte den Fisch zum haltbaren Salzhering, der als Fastenspeise in fast ganz Europa verkauft wurde. Vielmehr wissen wir über diesen wichtigen Aspekt der Geschichte Nordeuropas im Mittelalter jedoch meist nicht.

Jedem, der mehr über den Fang und den Handel mit Hering wissen möchte, kann die umfangreiche Dissertation Jahnkes empfohlen werden. Der Autor nutzt auch die nach dem Zusammenbruch des Sowjetimperiums wieder zugänglichen Quellen, um Heringsfang, Verarbeitung und Handel in all seinen Facetten darzustellen. Er konzentriert sich nicht nur auf das historisch herausragende Fanggebiet um Schonen mit seinen internationalen Messen, sondern stellt auch die Fischerei auf Rügen, bei Bohuslen und im Limfjord vor. Das Buch bietet überraschende Einblicke in die sehr komplexen Strukturen von Fischerei und Handel, die teilweise schon modern anmuten. Darüber hinaus wird auch die politische Bedeutung für Dänemark und die Hanse beleuchtet.

Jürgen Hartwig Ibs (0202)

Die Daten zum Buch: Carsten Jahnke, Das Silber des Meeres. Fang und Vertrieb von Ostseehering zwischen Norwegen und Italien (12.-16. Jahrhundert), (Quellen Darstellungen zur hansischen Geschichte, N.F., Bd. 49), Köln, Weimar, Wien, 2000, Böhlau Verlag, ISBN 3-412-10599-6, 45 EURO

 

daenische_geschichteBlick über die Grenze
Dänische Geschichte
Robert Bohn

Es ist vor dem Hintergrund der engen geschichtlichen Verflechtung Schleswig-Holsteins mit Dänemark schon erstaunlich, daß es bislang keine moderne Darstellung der dänischen Geschichte in deutscher Sprache gab. Robert Bohn legt nun nicht nur eine umfassende, sondern eine auch angenehm kurze Darstellung der Geschichte unseres Nachbarlandes vor.

Der Band beginnt mit den ersten schriftlichen Quellen über die politischen Verhältnisse in Dänemark, die um 800 nach Christi entstanden. Kapitelweise werden die geschichtlichen Epochen von der Wikingerzeit, über die Großmacht- und Unionszeit, die Reformation, den Absolutismus bis hin zur Gegenwart vorgestellt. Obwohl das Verhältnis des Kernlandes Dänemark zu Schleswig-Holstein immer mit bedacht wird, handelt es sich nicht um eine Darstellung aus schleswig-holsteinischer Sicht. Bohn, einem profunder Kenner der skandinavischen Geschichte, gelingt eine vorurteilsfreie und moderne Schilderung der historischen Probleme des Landes durch die Zeiten. Es kennzeichnet seine Sichtweise, daß die politische Geschichte Dänemarks nur den Rahmen für den Abriss der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung bildet. Durch die klare, kurze Darstellung und den günstigen Preis kann der Band auch für den Unterricht an den Schulen empfohlen werden.

Jürgen Hartwig Ibs (0202)

Die Daten zum Buch: Robert Bohn, Dänische Geschichte, München 2001, Wissen in der Beck’schen Reihe, Bd. 2162, ISBN 3 406447627, Preis 7,50 EURO

 

KosakenEine Eiskalte Geschichte
Der Kosakenwinter in Schleswig-Holstein 1813/14
Dieter Kienitz

Liniensoldaten, Freicorps und Kosaken setzten Dezember 1813 über die Elbe nach Holstein über. Mit dem Einmarsch der Nordarmee endeten die bis dahin nur glücklosen Versuche des dänischen Gesamtstaates, sich aus den Napoleonischen Kriegen herauszuhalten, in einem Fiasko. Holstein und Teile Schleswigs wurden in Geiselhaft genommen, damit Schweden Norwegen für sich gewinnen konnte. Ein eiskaltes Kalkül, umgesetzt in einem eiskalten Winter. Die aus dem Land lebenden Truppen ruinierten ein ehemals wohlhabendes Agrarland. Dieter Kienitz hat dieses dunkle Kapitel der Landesgeschichte in seinem Buch für einen breiten Leserkreis erschlossen. „Der Kosakenwinter“ bietet mehr als Kriegsgeschichte. Er stellt die Geschehnisse in den Zusammenhang, beleuchtet mit kritischer Distanz zu den Quellen nicht nur den Feldzug, sondern vor allem, wie er sich auf die Menschen und ihr Leben in dem besetzten Land ausgewirkt hat. Kapitel für Kapitel versetzt Kienitz uns in die Geschehnisse eines Kriegwinters zurück, der für die europäische Geschichte eine Marginalie blieb, doch in Schleswig-Holstein als Kosakenwinter bis ins 20. Jahrhundert als Zeit des Leidens im Bewußtsein blieb.

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Die Daten zum Buch: Dieter Kienitz, Der Kosakenwinter in Schleswig-Holstein 1813/14, 2000, Heide, Boyens & Co, www.buecher-von-boyens.de, Preis 19 EURO

 

eutinerdichterkreisDer Eutiner Dichterkreis und der Nationalsozialismus 1936-1945
Lawrence D. Stokes

Der 1936 gegründete „Eutiner Dichterkreis“, der bis zum Kriegsausbruch regelmäßig in der ostholsteinischen Kleinstadt tagte, bildete eine der wichtigsten Gruppierungen von Schriftstellern im „Dritten Reich“. Zu seinen Mitgliedern gehörten der erste Präsident der Reichsschrifttumskammer Hans Friedrich Blunck, die Erfolgsautoren Gustav Frenssen und Edwin Erich Dwinger sowie über 25 weitere schleswig-holsteinische, oldenburgische und — ehrenhalber — „ausländische Dichter“. Der Kreis sollte als Nachfolgerin des berühmten „Eutiner Kreises“ die literaturgeschichtliche Bedeutung Eutins wieder hervorheben. Lawrence D. Stokes untersucht die Verbindungen der Gruppe zur Regierung und Ideologie Hitlers. Er versucht in seinem Buch zu klären, ob der „Eutiner Dichterkreis“ zu Recht als nationalsozialistische Einrichtung angesehen wurde. Die Biographien aller 27 deutschen Mitglieder vermitteln dabei lebensnahe Einblicke in deren „politische Gesinnung“. Das Buch ist ein bemerkenswerter Beitrag zu der immer noch kontrovers diskutierten Frage nach der Stellung von Intellektuellen zum NS-Regime.

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Die Daten um Buch: Lawrence D. Stokes, Der Eutiner Dicherkreis und der Nationalsozialismus 1936 – 1945, Quellen und Forschungen zur Geschichte Schleswig-Holsteins, Band 111, Herausgegeben von der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte, 2000, Neumünster Wachholtz-Verlag, ISBN 3 529 02211 X, Preis 35 EURO

 

pausebackAmerika! Amerika!
Übersee-Auswanderer aus Schleswig-Holstein
Paul-Heinz Pauseback

Not macht mobil. Das ist die kürzeste Form, in der man erklären kann, warum im 19. Jahrhundert in Schleswig-Holstein Menschen ihre wenige Habe in eine Kiste oder einen Sack packten, um in die „neue Welt“ aufzubrechen. In vielen Dörfern war es mehr als jeder Zehnte, der die Heimat verließ, um sein Glück in einer fremden Welt zu suchen. Wie viele es wirklich gefunden haben, muß auch das Buch von Paul-Heinz Pauseback offen lassen. Es analysiert jedoch den Umfang sowie die Beweggründe für die Auswanderung und untermauert sie mit anschaulichen Einzelschicksalen. Pauseback gelingt es, das „Warum“ zu erklären. Er macht verständlich, warum etwa der Gardinger Theodor Mommsen, ein Jahr bevor er 1902 den Literaturnobelpreis erhielt, 84jährig schrieb: „Wäre ich 30 Jahre jünger, so ginge ich nach Amerika, wo doch bei allen seinen Schwächen die Hoffnung der Welt liegt“. Das Buch bietet gute fundierte Informationen, Illustrationen, die den Inhalt stützen, und ein konsequentes, lesefreundliches Layout. Wäre das Thema nicht ohnehin wichtig, wäre das Buch allein schon deshalb zu empfehlen, weil es belegt, wie Geschichte wissenschaftlich korrekt und dennoch spannend aufbereitet werden kann (und sollte).

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Die Angaben zum Buch: „Übersee-Auswanderer aus Schleswig-Holstein … als hätten sie nie eine Heimat, nie eine Mutter gehabt!“, Paul-Heinz Pauseback, 226 Seiten, zahlreiche Abbildungen, Quartformat 22×22 cm, Paperback, Husum und Bredstedt, 2000, Herausgegeben vom Nordfriesischen Museum Ludwig-Nissen Haus www.nissenhaus.de und dem Nordfriisk Instituut www.nordfriiskinstituut.de, ISBN 3-88007-280-9, Preis 15,30 EURO

 

polenlagerEin Stück vergessener Geschichte
„Polenlager Jägerslust“
Polnische „Displaced Persons“ in Schleswig-Holstein
von Karsten Dölger

Zwangsarbeiter, KZ-Häftlinge, Kriegsgefangene und auch vor den Russen geflüchtete Balten wurde am Ende des Zweiten Weltkrieges von den Alliierten befreit. Sie galten als „Displaced Persons“. Ziel der britischen Besatzer auch in Schleswig-Holstein war es, sie zurück in ihre Heimat zu bringen, zu repatriieren. Dafür wurden sie in Lagern gesammelt. Karsten Dölger beschreibt in seinem Buch minutiös das Schicksal der Menschen im sogenannten „Polenlager Jägerslust“ zwischen Kiel und Rendsburg. Es ist eine tragische Facette der Nachkriegsgeschichte. Denn die „befreiten“ Polen weigerten sich zum größten Teil in ein Land zurückkehren, dessen Westen von den Russen beherrscht und dessen Osten von der UdSSR einverleibt war. Aus der Provisorium für ein paar Monate wurde ein jahrelanges Lagerelend. Dölger arbeitet mit seinem Buch auch ein Stück verdrängter Geschichte auf. Bis die Briten 1949 das „Polenlager“ an die Deutschen übergaben und noch Jahre danach, blieben die Sieger eingesperrt im Land der Besiegten. Öffentlich wurde in dieser Zeit fast ausschließlich wahrgenommen, wenn Lagerinsassen gegen Gesetze verstießen (was auch passiert ist), doch der Problematik und Tragik der „Displaced Persons“ kaum gerecht wird. Wissenschaftlich fundiert und gut lesbar bringt Karsten Dölger uns mit seinem Buch einen wichtigen und verdrängten Aspekt der Nachkriegsgeschichte zurück ins Bewußtsein.

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Die Daten zum Buch: Karsten Dölger, „Polenlager Jägerslust“ Neumünster 2000 (Quellen und Forschungen zur Geschichte Schleswig-Holsteins, Bd. 110), 404 Seiten, 46 Abb., Wachholtz Verlag, ISBN 3 529 02210 1, Preis 31 EURO

 

SchmidtkeWie alles begann:
Die Entstehung Schleswig-Holsteins
Von Kurt-Dietmar Schmidtke

Ein Gletscher auf dem Schutzumschlag gibt den entscheidenden Hinweis: Schleswig-Holstein ist (fast) reines Eiszeitland. Kurt-Dietmar Schmidtke beschreibt und illustiert in seinem anschaulich mit Bildern und Grafiken aufbereiteten Buch das Werden des Dreiklanges aus Marsch, Geest und Hügelland. Das Buch läßt seinen Leser mit einem neuen Blick durch Schleswig-Holstein reisen. Man beginnt zu verstehen, fährt die B 202 etwa bei Norderstapel in Richtung Erfde nicht nur herunter, sondern begreift, das man in das Urstromtal der Eider fährt. Spannend auch, wie Schmidtke die Fenster zum Erdaltertum erklärt, erklärt wird, wie Landschaftsformen entstanden.

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Die Daten zum Buch: „Die Entsthehung Schleswig-Holsteins“, von Kurt-Dietmar Schmidtke, 128 Seiten, Leinen Gebunden, Format 21 x 25, zahlreichen Grafiken und Fotos, erschienen beim Wachholtz Verlag Neumünster, 3. Auflage 1995, ISBN 3-529-05316-3, Preis 24,80 EURO

 

schlachtWie aus Geschichte Mythos wird
Die Schlacht bei Hemmingstedt
Von Frank Trende

Telse von Oldenwöhrden soll auf der Schanze bei Hemmingstedt mit einem Marienbanner in der Hand die Dithmarscher immer wieder in den Kampf und schließlich zum Sieg geführt haben. Sie ist dargestellt worden, als Mädchen, als mariengleiche Gestalt, als germanische Walküre. Glaubt man der einzigen zeitnahen Quelle, dann war Telse keine holde Jungfrau, sondern eine 40jährige „olde Jugfer“. Frank Trende hat in seinem „Ein deutscher Mythos zwischen Politik, Poesie und Propaganda“ untertiteltem Buch an diesem und anderen Beispielen untersucht und beschrieben, welche Legenden entstanden, wie das blutige Geschehen für nationale und schließlich nationalsozialistische Propaganda genutzt wurde. Legenden über historische Ereignisse sind kein Randaspekt der Geschichte, sie machen selber Geschichte. Die „Dolchstoßlegende“ nach dem ersten Weltkrieg ist dafür nur ein Beispiel.

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Die Daten zum Buch: „Die Schlacht bei Hemmingstedt – Ein deutscher Mythos zwischen Politik, Poesie und Progaganda“ von Frank Trende, Paperback, 160 Seiten, zahlreiche Abbildungen, 2000, Verlag Boyens & Co, Heide, www.buecher-von-boyens.de, Preis 19.80 Mark, ISBN 3-8042-0990-4

 

SHHBHeimatforschung in Schleswig-Holstein
Herausgeberin Ute Neuhaus-Schröder

Rund 1.000 Orts-, Gemeinde- oder Amtschroniken liegen schon für Schleswig-Holstein vor. Viele neue sind im Entstehen. Die Qualität ist nach Angaben des Schleswig-Holsteinischen Heimatbundes (SHHB) unterschiedlich, fast jede zweite Chronik etwa spart die Zeit des Nationalsozialismus aus. Um die Arbeit vor Ort zu unterstützen, hat der SHHB ein Handbuch für Chronisten, Regionalforscher und Historiker zusammengestellt. Es aktualisiert das von Peter Ingwersen aus dem Jahre 1954. 47 Autoren haben 52 Beiträge für das neue Buch geschrieben. Es geht dabei einmal darum, welche Quellen genutzt werden können und wie sie zu bewerten sind. Auch wird versucht, Grundinformationen zu den Zeitepochen und wichtigen Einzelaspekten von der Entstehung des Landes über Maßeinheiten bis hin zur Verwaltungsgliederung zu geben. Auf 270 Seiten kann bei der Vielfalt der Themen nur eine Orientierung gegeben werden. Das Buch ist eine Wegskizze, die vom Umgang mit Quellen bis zum Druck beschreibt, welche Techniken und Aspekte der Chronist beachten sollte. Hilfreich sind vor allem die umfangreichen Hinweise auf Hilfsmittel und Literatur. Die Botschaft ist eindeutig: Orts- und Regionalgeschichte ist immer im historischen Kontext zu sehen. Und: Nur Geschichte die im kritischen Umgang mit Quellen belegt werden kann, wird Bestand haben.

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Die Angaben zum Buch: „Heimatforschung in Schleswig-Holstein; Handbuch für Chronisten, Regionalforscher und Historiker“, herausgegeben für den SHHB von Ute Neuhaus-Schröder, gebunden, 268 Seiten, zahlreiche Abbildungen, erschienen bei Husum Druck- und Verlagsgesellschaft, Husum, 2001, www.verlagsgruppe.de, Preis 39,80 DM/19,95 EURO, ISBN 3-88042-983-9