KurZ NotierT

Prof. Thomas Steensen neuer Vorsitzender der GSHG

Jörg-Dietrich Kamischke gab nach 16 Jahren und elf Tagen den Vorsitz der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte (GSHG) ab. Zu seinem Nachfolger wählte die Mitgliederversammlung am 4.Juni 2019 in der Landesbibliothek Professor Thomas Steensen.  Auch die Schriftführung wechselte. Nach fünf Jahren verabschiedete sich Dr. Christian Pletzing aus dem Amt. Nachfolgerin wurde Dr. Melanie Greinert.

Abschied

„Im letzten Jahr ist mir … bewusst geworden, dass man rechtzeitig  erkennen sollte, wann es geraten ist, auch von einer schönen Aufgabe, die man gern und mit Freude erfüllt, Abschied zu nehmen“ – Das stand am Anfang der Abschiedsrede von Jörg-Dietrich Kamischke. Eine nach seinem 70. Geburtstag überwundene Herzerkrankung habe ihm deutlich gemacht, es sei Zeit nun das Spektrum der Aktivitäten einzugrenzen. Deshalb habe er sich entschlossen, seine Kraft auf dem Vorsitz des Deutschen Grenzvereins zu konzentrieren. Fazit des scheidenden Vorsitzenden: die 16 Jahre an der Spitze der GSHG seien inhaltsreich, niveauvoll und fordernd  sowie von der kameradschaftlichen Zusammenarbeit im Vorstand geprägt gewesen.

Ehrenmitglied Prof. Peter Wulf übernahm es, dem scheidenden Vorsitzenden zu danken. Jörg-Dietrich Kamischke habe während der langen Zeit seines Vorsitzes nach innen gelenkt, Toleranz walten lassen und übergreifende Aufgaben angefasst. Mit Wein, Blumen und viel Applaus dankten die Mitglieder Jörg-Dietrich Kamischke.

Jörg-Dietrich Kamischke verabschiedet sich

Nachfolge

Mit Dr. Jürgen Miethke, Karl-Heinrich Buhse und Jörg-Dietrich Kamischke standen über Jahrzehnte Männer an der Spitze der GSHG, deren Wirkkraft durch ihre Führungstätigkeiten in bedeutenden öffentlichen oder öffentlich-rechtlichen Ämtern begründet war und ist. Mit Prof. Thomas Steensen hatte der Vorstand für die Nachfolge von Jörg-Dietrich Kamischke  einen anerkannten Fachhistoriker vorgeschlagen. Öffentlich bekannt ist Steensen vor allen durch die über 30-jährige Leitung des Nordfriisk Institut. Seine fachhistorischen Veröffentlichungen sind Standardwerke. Thomas Steensen hat durch umfangreiche Vortrags- und Publikationstätigkeit viel dazu beigetragen, Geschichte allgemeinverständlich zu erklären. Nachdem er den Vorsitz des Beirates der GSHG übernommen hatte, gelang es aus der Idee des „Tages der Schleswig-Holsteinischen Geschichte“ Realität werden zu lassen. Darum bat der Vorstand der GSHG Steensen , sich zur Wahl zu stellen. Bei zwei Enthaltungen erfolgte diese einstimmig.

Vor der Wahl stellte Thomas Steensen sich und seine Wünsche für die Zukunft der GSHG vor. Aufgabe für die Zukunft sei, den Mitgliederschwund der GSHG zu stoppen und – wenn möglich – umzudrehen. Steensen möchte die Kommunikation in der Gesellschaft stärken und dazu beitragen, dass Publikationen wie die ZSHG künftig zuverlässig rechtzeitig erscheinen.

Der alte und der neue Vorsitzende der GSHG

Neue Aufgaben

Die erste Aufgabe als neuer Vorsitzender der GSHG war es, die weiteren Wahlen zu leiten. Turnusgemäß standen der Rechnungsführer Dr. Martin Skaruppe und der Beisitzer Ortwin Pelc zur Wahl. Beide hatten bekundet, weitere drei Jahre im Vorstand zu arbeiten und wurden einstimmig bei eigener Enthaltung in ihren Ämtern bestätigt. Aus dem Vorstand schied auf eigenen Wunsch Dr. Christian Pletzing  aus. Fünf Jahre hatte der Historiker und Leiter der Akademie Sankelmark die überaus arbeitsintensive Funktion des Schriftführers ausgefüllt. Pletzing betonte, er habe dies gern getan. Die Leitung der Akademie fordere jedoch seinen vollen Einsatz. Deshalb gab Pletzing das Amt ab. Als seine Nachfolgerin konnte Dr. Melanie Greinert gewonnen werden. Die Historikerin ist an der Universität Kiel tätig und war 2018 Trägerin des Preises der GSHG. Bei eigener Enthaltung wurde sie einstimmig als neue Schriftführerin der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte gewählt.

Wachwechsel in der Schriftführung

Kritik und Ehrungen

Unter dem Punkt Verschiedenes wurde bemängelt, die Homepage er GSHG <www.geschichte-s-h.de> sei nicht aktuell. Diese Kritik wurde an Werner Junge als zuständigem Vorstandsmitglied weitergeleitet. An die Versammlung, zu der sich 26 Mitglieder in der Landesbibliothek eingefunden hatten, schloss sich die Vergabe der diesjährigen Preise der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte an.

(ju 0619) Fotos: Ortwin Pelc

Dr. Julian Freche 

Preis der GSHG geht 2019

an Dr. Julian Freche

„Milieus in Lübeck während der Weimarer Republik 1919 bis 1933“ ist der Titel der Doktorarbeit von Julian Freche. Sie wurde im Anschluss an die Mitgliederversammlung mit dem Preis der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte 2019 ausgezeichnet. In seiner Laudatio hob Jörg-Dietrich Kamischke hervor, im Gegensatz zu Hansezeit stellten weite Phasen der Geschichte Lübecks im 20. Jahrhunderts noch eine terra incognita dar. Deshalb schließe die November 2018 abgegebene und mit magna cum laude ausgezeichnete Doktorarbeit von Freche eine Lücke und gebe neue Impulse für die historische Diskussion.

Kamischke hob in seiner Laudatio die Verständlichkeit und den flüssigen Stil der Arbeit hervor. Freche gelinge es, das Wesentliche auf den Punkt zu bringen und er verliere sich nicht auf „Nebenkriegsschauplätzen“. Thema ist das öffentliche  sozioökonomische Leben in Lübeck zur Zeit der Weimarer Republik. Dabei spreche und untersuche Freche viele Bereiche zum ersten Mal und betrete damit wissenschaftliches Neuland. Durch intensive Quellenarbeit und souverän benutzter Literatur stelle die Dissertation Freches eine wertvolle Grundlagenarbeit zur Geschichte Lübecks in der Zeit der Weimarer Republik dar.

Dr. Julian Freche hat 2013 an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel sein Studium der Geschichte und der historischen Archäologie abgeschlossen. Danach war er in der Abteilung für Regionalgeschichte der CAU tätig und von 2015 bis 2017 Stipendiat am Zentrum für Kulturwissenschaftliche Forschung in Lübeck.

Dr. Julian Ferche bedankte sich für den mit 3.000 € dotierten Preis der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte und gab in der Landesbibliothek noch Einblicke in seine Forschung. Die GSHG kann diesen Preis in jedem Jahr Dank des Mäzenatentums der Brunswiker Stiftung ausloben. Sie führt inzwischen das Erbe der GSHG-Mitglieder Ernst-Georg Jarchow und seiner Gattin fort.

-ju- 0619 Foto: Ortwin Pelc

Hannah Gebien und Jörg-Dietrich Kamischke

Hannah Gebien erhält den

GSHG Nachwuchspreis 2018

Seit 2015 gibt es – ebenfalls durch die Brunswiker Stiftung ermöglicht – den mit 1.000 € dotierten Nachwuchspreis der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte. Für 2018 erhielt ihn im Rahmen der Mitgliederversammlung am 4. Juni 2019 die junge Philologin Hannah Gebien. Ausgezeichnet wurde ihre 2017 im Romanischen Seminar der Christian-Albrechts-Universtät vorgelegte Masterarbeit  „Das Romanische Seminar der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel zwischen 1933 und 1945“.

Jörg-Dietrich Kamischke hob in seiner Laudatio hervor, Hannah Gebien gelinge es in ihrer Masterarbeit über die bloßen biographischen und institutsbezogenen Daten hinauszugehen und fachliche Entwicklungen von Forschung und Lehre in der Zeit des Nationalsozialismus aufzuarbeiten. Hervorzuheben sei das umfangreiche Quellenstudium als Basis der profunden Arbeit. Hannah Gebien zeichnet den Weg von Professoren nach, die auf Linie der Nationalsozialisten waren, der Rassenideologie folgten und nach 1945 versuchten, all das vergessen zu machen. Wie stark der Einfluss der NS-Ideologie war, zeigt die Aufgabenbeschreibung für Hilfskräfte in der Bibliothek. Selbst dafür war – wörtlich – die Ausrichtung auf „faschistische Ideen“ vorgegeben.

Hannah Gebien gelinge es hervorragend die Anpassung und die Politisierung der Romanistik in Kiel in der NS-Zeit aufzuzeigen und detailliert zu belegen, schloss Jörg-Dietrich Kamischke seine Laudatio. Hannah Gebien bereitet sich derzeit mit eine Referendariat an der Meldorfer Gelehrtenschule auf den höheren Schuldienst vor.

-ju- 0619 Foto: Ortwin Pelc

„Wendepunkte“ als Themenschwerpunkt der Kulturzeitschrift  „Schleswig-Holstein“

„Wendepunkte“ war das Thema des zweiten Tages der Schleswig-Holsteinischen Geschichte am 9. Juni 2018 in der Sparkassenakademie in Kiel. Wie schon beim ersten Tag vor zwei Jahren in Rendsburg hat Kristof Warda angelehnt an die Vorträge ein Themenheft in seiner Zeitschrift „Schleswig-Holstein – Die Kulturzeitschrift für den Norden“ gestaltet.

Auf 86 Seiten des aufwendig gestalteten Hochglanzhefts geht es um die Schlacht bei Bornhöved, die erschreckliche Wasserflut 1634, die Ermordung Zar Peters III., den Deutschen-Dänischen Krieg 1864, den Kieler Matrosenaufstand, die Abstimmung 1920, das Ende der Lübecker Eigenstaatlichkeit 1937, das Programm Nord und die erste KZ-Gedenkstätte im Lande sowie die Barschel-Pfeiffer-Affäre 1987. Dazu kommt eine Einführung von Prof. Detlev Krank, der versucht auszuleuchten, was eigentlich als Wendepunkt in der Geschichte eingeordnet werden kann.

-ju- (1218/0119)

40 Jahre „ Arbeitskreis für Wirtschafts- und Sozialgeschichte Schleswig-Holstein“

 

Am 1. September 2018 feierte der „Arbeitskreis für Wirtschafts- und Sozialgeschichte Schleswig-Holstein“ in Kiel sein 40-jähriges Bestehen. Der Name klingt etwas universitär, fast Amtsdeutsch. Das täuscht, denn in Kiel hatten sich 1978 junge Historiker mit fast revolutionären Zielen zusammengetan. Bei den „jungen Wilden“ handelte es sich um Dagmar Unverhau, Jürgen Brockstedt, Ingwer E. Momsen und Klaus-Joachim Lorenzen-Schmidt, die rasch weitere Mitstreiter für ihre Sache zu gewinnen wussten. Zwar zehn Jahre nach der Studentenrevolte jedoch durchaus im Geist der 68er protestierten sie dagegen, was an Landesgeschichte und vor allem wie es an der Christian-Albrechts-Universität erforscht und gelehrt wurde. Diese Kritik richtete sich nicht nur gegen die universitären Vertreter des Faches, sondern auch gegen die gleichfalls sehr konservativ ausgerichtete Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte (GSHG). Die „jungen Wilden“ wollten eine andere Geschichte: die der Menschen, ihres alltäglichen Zusammenlebens und dessen, was sie jenseits der „großen Weltbühne“ verrichteten.  So entstand der „Arbeitskreis für Wirtschafts- und Sozialgeschichte“. Er veränderte die Sicht auf die Geschichte im Norden. Neben dieser Gruppe gab es eine andere, eher „revolutionäre Zelle“. Vier junge Mitglieder der Gesellschaft forderten damals den Vorstand auf, die GSHG möge ihren bildungsbürgerlichen Auftrag erfüllen und sich für jedermann öffnen. Das führte dazu, dass auch seit 1978 die populären Mitteilungshefte herausgebracht werden.

Der leichte Pulverqualm des Aufstandes der Junghistoriker ist längst verweht. Die Revolution führte zu einer Evolution der Landeshistorie und auch der GSHG. Über 50 monothematische „Studien zur Sozial- und Wirtschaftsgeschichte“ wurden inzwischen gemeinsam herausgegeben. Neben der Zeitschrift für Schleswig-Holsteinische Geschichte (ZSHG) gehören sie zu den am häufigsten zitierten Werken zur Geschichte des Landes.

Der Arbeitskreis brach auch mit einem anderen Tabu: Er suchte und fand nach langer und auch gewollten Distanz wieder den Kontakt zu den dänischen Kollegen. So ist zum Jubiläum nach Kiel auch nicht von ungefähr Prof. Dr. Carsten Porskrog Rasmussen aus dem Museum in Sonderburg zu einem Festvortrag eingeladen worden. Er wird nach einem Empfang in der Landesbibliothek, der am 1.September 2018 um 10.30 Uhr beginnt, über seine aktuellen Forschungen zur Überformung der Gutsgesellschaften auf Alsen und im Sundewitt sprechen und dabei vor allem danach fragen, auf welcher Ebene hier die Untersuchungsebene eingezogen werden sollte, um zu möglichst belastbaren Ergebnissen zu kommen. Dabei handelt es sich um eine durchaus auch aus übergeordneter Perspektive interessante Frage, die uns über den Tag hinaus beschäftigen wird.

 -ju/Kraack-  0818)

GSHG setzt sich ein für ein Haus der Schleswig-Holsteinischen Geschichte

KIEL. Die Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte (GSHG) setzt sich dafür ein, dass zum 75-jährigen Bestehen des nördlichsten Bundeslandes im Jahr 2021 ein modernes „Haus der Geschichte“ eröffnet werden kann. Sie hatte deshalb schon vor der Landtagswahl am 7.Mai 2017 die Fraktionen angeschrieben und um Stellungnahmen gebeten. Die fielen nach Ansicht des GSHG-Vorsitzenden Jörg Kamischke erfreulich positiv aus. Auf Initiative des Beiratsvorsitzenden Prof. Thomas Steensen schlug der Vorstand der Mitgliederversammlung am 20. Mai 2017 in der Landesbibliothek vor das Projekt durch eine Resolution weiter in der Diskussion zu halten. Inzwischen liegen auch darauf Redaktionen vor. Auch wenn der Weg für ein „Haus der Schleswig-Holsteinischen Geschichte“ noch weit ist, deuten Vorstand und Mitgliederversammlung die Zeichen als insgesamt ermutigend.

Positive Reaktionen der Fraktionen

Nach Ansicht der GSHG Würde ein  solches Haus die besondere Rolle Schleswig-Holsteins zwischen Nord- und Ostsee sowie zwischen Skandinavien und Mitteleuropa widerspiegeln und die Identität stärken. Zudem könne ein Zentrum für die historische Forschung und Vermittlung entstehen. „Dem Verfall der historischen Kenntnis und Bildung würde entgegengewirkt“, meinen Kamischke und Steensen. Sie schrieben: „Es würde ein Ort für die kritische Auseinandersetzung mit der Geschichte Schleswig-Holsteins entstehen, die für die Zukunftsfähigkeit unserer demokratischen Gesellschaft unerlässlich ist.“ Die Antworten vor der Landtagswahl waren aus Sicht der Gesellschaft erfreulich. Der damalige Fraktionsvorsitzende der CDU im Landtag Daniel Günther schrieb, die Forderung nach einem Haus der Geschichte sei fest im CDU-Wahlprogramm verankert. In den Augen von Günther könnte das Haus der Geschichte Baden-Württembergs in Stuttgart ein Vorbild für Schleswig-Holstein sein. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Dr. Ralf Stegner äußerte sein grundsätzliches Interesse, verwies jedoch darauf, dass das Land bei der Gründung neuer Einrichtungen aus finanzpolitischen Rücksichten sehr vorsichtig vorgehen müsse. Eka von Kalben als Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen schrieb, sie begrüße die Auseinandersetzung mit der Geschichte unseres Landes, halte aber angesichts der engen finanziellen Spielräume die Errichtung eines eigenen Hauses für wenig realistisch. Der FDP-Fraktionsvorsitzende Wolfgang Kubicki bezeichnete die Errichtung eines Hauses der Geschichte als sinnvolle und wichtige Maßnahme, um „die bewegte und wahrlich bewegende Geschichte unseres Bundeslandes“ auch an künftige Generationen weiterzugeben. Für den SSW begrüßte Landesgeschäftsführer Martin Lorenzen die Errichtung eines Hauses der Geschichte und erklärte, sich dafür in der kommenden Wahlperiode einzusetzen. Die Absicht findet sich inzwischen in dem von CDU, GRÜNEN und FDP ausgehandelten Koalitionsvertrag wieder.

Resolution an die neue Regierung

Dieser Stand wurde der Mitgliederversammlung am 20. Juni 2017 in der Landesbibliothek vorgestellt und mit Freude zur Kenntnis genommen. Die von Thomas Steensen verfasste Resolution wurde einstimmig angenommen. Hier der Wortlaut:

„Die Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte setzt sich dafür ein, dass zum 75-jährigen Bestehen des nördlichsten Bundeslandes im Jahr 2021 ein modernes „Haus der Geschichte“ von den Anfängen bis in unsere Zeit eröffnet werden kann. Sie begrüßt es deshalb, dass im Koalitionsvertrag von CDU, Bündnis 90/Die Grünen und FDP ein „Haus der Schleswig-Holsteinischen Geschichte“ als konkretes Ziel genannt wird.

Die GSHG, die als große und umfassende Vereinigung die Erforschung und Vermittlung der Geschichte im nördlichsten Bundesland fördert, hält eine solche Einrichtung aus mehreren Gründen für unverzichtbar. Ein „Haus der Schleswig-Holsteinischen Geschichte“ würde die besondere Rolle unseres Landes zwischen Nord- und Ostsee sowie zwischen Skandinavien und Mitteleuropa widerspiegeln und die Identität stärken. Es würde ein Zentrum für die historische Forschung und Vermittlung darstellen. Dem Verfall der historischen Kenntnis und Bildung würde entgegengewirkt. Es würde ein Ort für die kritische Auseinandersetzung mit der Geschichte Schleswig-Holsteins entstehen, die für die Zukunftsfähigkeit unserer demokratischen Gesellschaft unerlässlich ist.

Die Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte hält es für wichtig, dass der neugewählte Landtag und die neue Landesregierung sich noch im Jahr 2017 diesem Thema zuwenden und konkrete Schritte zur Verwirklichung unternehmen. Dann besteht die Aussicht, dass zum 75-jährigen Bestehen des Landes Schleswig-Holstein 2021 endlich ein Haus zur Geschichte unseres Bundeslandes seine Tore öffnen kann.“

Die Diskussion geht weiter

Das Thema und die Diskussion stoßen auf Interesse. Am 6. Juli 2017 brachte die sh:z-Verlagsgruppe einen ausführlichen Bericht von Frank Jung zu Stand der Diskussion. Er macht deutlich, dass sich in der Jamaika Koalition vor allem die GRÜNEN noch schwertun. Nach heutigem Stand werden die Diskussion neben der Standortfrage auch absehbar darum kreisen, welche Sammlungen für ein „Haus der Schleswig-Holsteinischen Geschichte“ genutzt werden können. Bestände dafür gibt es im Land. Nach eigenen Auskunft weniger auf Schloss Gottorf dafür aber in der Schleswig-Holsteinischen Landesbibliothek (SHLB) in Kiel sowie auch beim Landesarchiv (LAS) in Schleswig.

Auf die Initiative der GSHG hat die Politik reagiert: Nun soll tatsächlich ein Haus der schleswig-holsteinischen Geschichte geschaffen werden. Zu diesem Zweck wird sich im Juni 2018 ein Beirat konstituieren, in dem auch die GSHG eine beratende Stimme haben wird. Der Beirat soll unter dem Vorsitz von Professor Dr. Oliver Auge vor allem über das Konzept zur Realisierung des Hauses beraten.

(pl/ju 0518)